Identität der Opfer im Jüdischen Museum bekannt

Am Sonntagmorgen wurde mehr zur Identität der Getöteten deutlich. Es handelt sich dabei um ein Ehepaar aus Tel Aviv, eine Schalterangestellte des Museums, die aus Frankreich stammt, und um einen ehrenamtlichen Helfer der Einrichtung. Die Hintergründe des Anschlags bleiben weiter im Dunkeln.

Das Jüdische Museum in Brüssel kann sich die Hintergründe, die zu dem Anschlag geführt haben, nicht erklären. Der Täter hatte das Museum im Brüsseler Altstadtviertel Zavel/Sablon gegen 15:30 betreten und zuerst auf das Touristenehepaar aus Israel geschossen. Danach traf er die beiden Mitarbeiter des Hauses und verschwand offensichtlich mit einem vor dem Museum parkenden Fahrzeug.

Die beiden Israelis und die Schalterangestellte des Jüdischen Museums waren sofort tot. Das vierte Opfer, ein freiwilliger Helfer des Hauses, der sich vor allem um technische Dinge kümmerte, rang am Sonntagmorgen noch mit dem Leben, wie die Brüsseler Staatsanwaltschaft am Sonntagmittag im Rahmen einer Pressekonferenz mitteilte. Auch hier konnte man nichts zu den Hintergründen des Anschlags sagen.

Allerdings scheint deutlich, dass es sich um einen gut durchdachten und genauestens vorbereiteten Anschlag gehandelt hat, so eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Brüssel am Sonntagmittag.

Man sei derzeit dabei, Bilder von Überwachungskameras zu analysieren. Ein am Samstag festgenommener Mann gilt nicht mehr als Verdächtiger, sondern als Zeuge. Er wurde wieder freigelassen. Die Polizei sucht derzeit nach einem zweiten Mann. Ob dieser als Verdächtiger gilt oder ebenfalls als Zeuge, war am Sonntagmittag weiter undeutlich.

Das Jüdische Museum in Brüssel gab bekannt, dass man in Gedanken bei den Angehörigen der Opfer, bei den Kollegen der Opfer und den anderen Mitarbeitern des Hauses und bei der gesamten jüdischen Gemeinschaft in Belgien sei. In einer Pressemitteilung hieß es weiter, dass man Vertrauen in die Arbeit von Polizei und Justiz habe.

Einer der ersten, der die Polizei gerufen hatte, nach dem die Schüsse an der am Samstagnachmittag sehr belebten Zavel/Sablon zu hören waren, was Belgiens scheidender Außenminister Didier Reynders, der gerade dort auf Wahlkampftour war.

Israels Premier Netanyahu reagiert scharf

Israels Premierminister Benjamin Netanyahu nannte den tödlichen Anschlag auf das Jüdische Museum in Brüssel bereits am Samstagabend eine Folge des „permanenten Aufrufs zum Hass gegen die Juden und gegen den Staat Israel.“ Netanyahu gab in diesem Zusammenhang auch zu verstehen, dass er den deutlichen Standpunkt gegen den Antisemitismus, den Papst Franziskus im Rahmen seines Nahost-Besuchs eingenommen hatte, begrüße.

Di Rupo telefonierte mit Netanyahu und Hollande

Inzwischen hat Belgiens scheidender Premierminister Elio Di Rupo (PS) mit den Regierungschefs Israels und Frankreichs telefoniert. Er bezeugte seinen israelischen Amtskollegen Benjamin Netanyahu und Frankreichs Staatspräsident François Hollande das Beileid unseres Landes. Bekanntlich sind zwei der Opfer ein israelisches Ehepaar aus Tel Aviv und das dritte Opfer stammte aus Frankreich.

Papst Franziskus drückte am Sonntag sein tiefes Bedauern aus. Bei seiner Nahost-Reise besuchte er Tel Aviv, die Heimatstadt des in Brüssel erschossenen Touristenehepaars. Dort sprach er den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und sagte, dass es in dieser Welt „keinen Platz für Antisemiten“ gebe: „Ich bin tief betroffen. Meine Gedanken sind bei denen, die bei dem Anschlag in Brüssel ihr Leben gelassen haben. Ich vertraue ihre Seelen Gott an.“