Belgien: Ein Land, zwei Demokratien?

Der Vorsitzende der flämischen Natioanlisten N-VA, Bart De Wever, hatte es am Wahlabend noch einmal wiederholt: In diesem Land gibt es zwei Demokratien nebeneinander. Er wird nicht müde, die Belgier darauf hin zuweisen, dass in Belgien zwei Welten parallel nebeneinander bestehen und das scheint sich auch politisch zu bestätigen: Wallonien ist vor allem rot (Sozialisten) und blau (Liberale) und in Flandern dominiert eine eindeutig rechte Mehrheit das Bild. Die Bildung einer Föderalregierung wird dadurch äußerst schwierig. Tatsächlich?

Es stimmt, dass in Flandern und Wallonien getrennte Wahlen veranstaltet werden mit getrennten Parteien, die getrennte Debatten führen in getrennten Medien - und dass wir danach mit einem getrennten Bild von der Realität eine gemeinsame Regierung in einem gemeinsamen Land führen müssen.

Belgien ist also - Brüssel einmal ausgenommen - ein Land mit zwei verschiedenen Einflüssen und Strömungen. Dennoch haben wir ähnliche, wenn nicht gar gleiche Vorstellungen von Demokratie in beiden Landesteilen. Oder? Gehen die Uhren in Flandern etwas ander als in der Wallonie? Oder haben wir in Belgien einfach nur eine Demokratie, die in den beiden Landesteilen unterschiedlich ausgefüllt wird?

Würden wir denn auch von zwei Demokratien sprechen, wenn die  Mehrheit in Wallonien nicht von der PS gehalten würde? Inwieweit wären die Koalistionsverhandlungen dann einfacher?

Darüber zerbrechen sich derzeit viele Belgier den Kopf. Und einige haben auf unserer niederländischsprachigen Webseite geantwortet. Die Karte liefere den eindeutigen Beweis, dass die beiden Landesteile völlig anders denken würden. Warum soll der Konföderalismus dann keine Lösung darstellen?", fragt sich Stefan Van Raemdonck.

"Schauen Sie sich die absoluten Zahlen an. In den meisten Fällen zeigen sie deutlich einen mitte-rechts Sieg. Und wofür steht mitte-rechts? Genau, für mehr Autonomie der Teilstaaten. Das ist ein deutlicher Gegensatz zum sozialistischen Süden. Die Art und Weise des Denkens zeigt doch auch deutlich die fast vollständige Polarisierung Belgiens in Nord und Süd", schreibt Ruben Gilles De Wilde.

Unlogisch findet Johan Franco, denn er stellt nur eine Frage: "Muss sich die Wallonie dann in drei konföderale Staaten aufteilen? Die sind immerhin in drei Farben aufgeteilt."

Auch Maarten hält das Argument der zwei Demokratien für befremdend: "Weil zwei Landesteile anders wählen, sollen wir zwei verschiedene Demokratien sein?" Nach dieser Begründung, so Maarten, müsste der Norden von Brüssel eine andere Demokratie als der Süden sein.

Und Eva analysiert zurecht: "Wenn Sie die Ergebnisse von Flandern mit denen von Wallonien vergleichen wollen, dann müssen Sie von derselben Grundlage ausgehen, nämlich von genau den gleichen Wahllisten. Das ist aber nicht der Fall. In Wallonien kann man die N-VA nicht wählen und in Flandern nicht die PS. Obwohl manche Listen die gleiche Farbe haben, der Inhalt ist und bleibt ein anderer." Die Frage basiere deshalb auf einer falschen Grundlage.