Presse: Wer ist Oliver Paasch?

Die belgischen Zeitungen richten an diesem Samstag ihren Blick auf die Deutschsprachige Gemeinschaft (DG) im Osten Belgiens. Überraschend wurde am Freitag, fünf Tage nach der Wahl, die Fortsetzung der alten Koalition der freien Bürgerliste ProDG, der sozialistischen SP und der liberalen PFF angekündigt. Ministerpräsident wird Wahlsieger und ProDG-Spitzenkandidat Oliver Paasch. Er löst den Sozialisten Karl-Heinz Lambertz ab.

“Neue Regierung, alte Grabenkämpfe”, titelt das GrenzEcho, die einzige deutsche Zeitung Belgiens. Viele Zeitungen beleuchten am Samstag zum Teil ausgiebig die Regierungsbildung in Eupen, der Hauptstadt der Deutschsprachigen Gemeinschaft im belgisch-deutschen Grenzgebiet.

Le Soir spricht von einer “Verjüngungskur” in der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Für De Morgen hat eine “Revolution” stattgefunden, in dem “ansonsten doch so ruhigen Osten des Landes”. “Wer ist eigentlich Oliver Paasch?”, fragt sich La Libre Belgique. Die Antwort: “Ein Autonomist, ma non troppo”. Was so viel heißt wie: Aber nicht übertrieben. De Standaard nennt Paasch seinerseits den “deutschsprachigen Bart De Wever”, fügt aber einschränkend hinzu, dass Paasch nicht den Hang zum Separatisten besitzt.

“Ich bin nicht der deutschsprachige Bart De Wever”, zitiert aber De Morgen den neuen DG-Ministerpräsidenten. De Morgen weist darauf hin, dass alle traditionellen Parteien in der Deutschsprachigen Gemeinschaft die Forderung nach mehr Autonomie mittragen. Die Zeitung erinnert nichtsdestotrotz an die alte PDB und auch an die Niermann-Affäre aus den 80er Jahren. “Ich war nie Mitglied der PDB, ich bin meinen eigenen Weg gegangen”, betont Paasch.

DG: Ende einer Ära

Um den neuen DG-Ministerpräsidenten Oliver Paasch zu charakterisieren, greift De Standaard auf ein Zitat des Vivant-Politikers Michael Balter zurück. Dessen Analyse: “Paasch ist mindestens so intelligent wie ein Computer, vielleicht sogar noch schlauer, besitzt aber keinen Funken Charisma”.

Das GrenzEcho spricht in seinem Kommentar vom “Ende einer Ära”. Der bald 62-jährige Lambertz (Foto) räumt das Feld für die jungen Kollegen. Die müssen sich nun beweisen und den Kopf hinhalten, so wie es der Schoppener lange Zeit gemacht hat. Nicht mehr MP zu sein, wird vielleicht an seinem Ego nagen. Lambertz ist es aber gelungen, seine Sozialisten an der Macht zu halten.

(Quelle: brf)