"EU muss mit Anschlägen wie in Brüssel rechnen“

Die Länder der Europäischen Union müssen Anschläge, wie den auf das Jüdische Museum in Brüssel vor 10 Tagen, befürchten und die europäischen Behörden sollen enger zusammenarbeiten, um solchen Vorfällen zuvorkommen zu können. Dies sagt der EU-Koordinator für den Antiterrorkampf, der Belgier Gilles de Kerchove (Foto).
AP2009

„Ich glaube nicht an Anschläge, wie der vom 11. September 2001 in den USA, doch Europa muss sich auf Angriffe von Individualisten, die mehrere Personen gleichzeitig umbringen wollen, vorbereiten. Das ist abschrecken genug. Mehr als 2.000 Europäer sind nach Syrien gezogen oder haben das noch vor, um dort zu kämpfen. Das bedeutet zwar nicht, dass die alle Anschläge durchführen wollen, doch einige werden das tun.“; so EU-Antiterror-Koordinator Gilles de Kerchove in einer Erklärung.

Seiner Ansicht nach werden die europäischen Syrienkämpfer an Kalaschnikows und an anderen leichten Waffen ausgebildet und sie können auch mit Sprengstoff umgehen, doch reiche dies nicht aus, um Anschläge von großem Umfang zu verüben, so de Kerchove weiter. Mehdi Nemmouche, der aus Frankreich stammende mutmaßliche Attentäter von Brüssel, besaß ein solches Schnellfeuergewehr, einen Revolver und einen umfangreichen Munitionsvorrat. Er war Ende 2012 nach Syrien gegangen, wo er rund ein Jahr blieb, bevor er wieder nach Europa zurückkehrte.

Gilles de Kerchove plädiert angesichts der sich abzeichnenden Gefahr dafür, dass die EU-Mitgliedsländer in dieser Hinsicht enger zusammenrücken und ihre Arbeit besser koordinieren sollten. Das dieser Rat durchaus begründet ist, zeigt der Weg, den der Attentäter von Brüssel im Vorfeld zurückgelegt hatte. Er reiste über London nach Syrien und kehrte über Malaysia und Thailand via Frankfurt am Main wieder nach Europa zurück.

Schengen, Interpol, Europol

Auch Gilles de Kerchove plädiert in diesem Zusammenhang für die Einführung eines europaweiten Datensystems zur Erfassung von Angaben zu Flugreisenden, wie dies auch Belgiens scheidende Innenministerin Joëlle Milquet (CDH) am Montag forderte.

Doch eine solche Datenbank ist aus Gründen des Schutzes der Privatsphäre in Europa umstritten und ein entsprechendes Vorhaben blockiert das Europaparlament bisher noch erfolgreich.

Deshalb der Apell von Gilles de Kerchove, die Sicherheitsdienste innerhalb der Schengen-Zone besser zu nutzen und die Arbeit von Europol und Interpol besser zu koordinieren.