Öffentliche Diskussion über Rassismus in Flandern

Unser Kollege, VRT-Afrikakorrespondent Peter Verlinden (Foto), hat mit einer Stellungnahme auf unserer Webseite eine Diskussion zum Thema Rassismus ausgelöst. Peters offener Brief hatte einen bitteren Hintergrund. Am Dienstag stand auf der Fassade seines Hauses das Wort „Negers“ in Kreidebuchstaben aufgemalt. Peter ist mit einer Frau aus Ruanda verheiratet.
© VRT 2008 - Bart Musschoot

Peter Verlinden, der langjährige Afrika-Korrespondent unseres Hauses, Flanderns öffentlich-rechtlicher Rundfunk VRT, gilt als Fachmann für die ehemaligen Kolonien Belgiens im Zentralafrika Kongo, Ruanda und Burundi. Er ist in zweiter Ehe mit einer Frau aus Ruanda verheiratet und das Ehepaar hat zwei Kinder. Die Familie lebt in einer Kleinstadt in der Provinz Flämisch-Brabant unweit von Brüssel. Am Dienstagmorgen staunte die Familie Verlinden nicht schlecht, als sie mit Kreide aufgemalt das Wort „Negers“ auf ihrer Hausfassade entdeckte.

Dieser Vorfall führte dazu, dass Peter auf der VRT-Webseite deredactie.be einen offenen Brief veröffentlichte, in dem er von der Politik im belgischen Bundesland Flandern forderte, endlich Stellung zum immer weiter um sich greifenden Rassismus zu nehmen. Vor dem Hintergrund des Dreifachmordes an drei Juden im Jüdischen Museum von Brüssel vor 10 Tagen und von Klagen gegen Polizisten aus Antwerpen wegen Rassismus stellt sich für Peter Verlinden die Frage, ob man in Flandern nicht zu leicht mit diesem Thema umgehe.

Dabei klagt er auch die ungefiltert ausgesprochenen und über die hiesigen Medien vorbehaltlos verbreiteten rassistischen Sprüche von Filip Dewinter, dem starken Mann der rechtsradikalen Partei Vlaams Belang im vergangenen Wahlkampf an, der die finanziellen Probleme unseres Landes nicht auf die Vergreisung der Bevölkerung zurückführte, sondern wörtlich auf die „Verbraunung“ der Bevölkerung. Damit zielte er stimmenfangend auf die Einwanderung von andersfarbigen Ausländern nach Belgien an.

Peter Verlinden bittet auch die flämischen Nationaldemokraten der N-VA, die absoluten Wahlsieger der vergangenen belgischen Parlaments- und der flämischen Landtagswahlen, zu diesem Thema Stellung zu nehmen. Sie, die N-VA, habe viele Wähler des Vlaams Belang angezogen und vom rechten Parteienspektrum entfernen können. Doch hat die N-VA ihnen damit auch gleich den rechtsradikalen und rassistischen Nährboden entzogen?

Für unseren Kollegen ist klar, dass Flandern politisch und medienmäßig zu leicht mit Rechtsradikalismus und mit Rassismus umgeht. Sein offener Brief auf der VRT-Webseite wurde innerhalb von nur zwei Tagen bereits rund 80.000 Mal gelesen und löste viele Reaktionen aus; Reaktionen, die fast durch die Bank positiv waren. Politische Reaktionen blieben bisher weitgehend aus…