Ex-König Albert II. gibt ein TV-Interview

Der ehemalige belgische König Albert II. hat einem Journalisten des frankophonen TV-Senders RTL-TVi ein Interview gewährt. Während rund zwei Stunden sprachen der Monarch und dessen Gemahlin Paola über ihre Ehe, über Alberts Regentschaft und auch über weitere teils private Themen. Doch im Palast sorgt der Vorgang für Unruhe, denn er war nicht mit dem Protokoll abgesprochen.

Mit dem Interview, dass am kommenden Pfingstmontag bei RTL-TVI und auch beim flämischen Privatsender VTM ausgestrahlt wird, gehen das ehemalige belgische Königspaar offenbar auf Konfrontationskurs mit ihrem Sohn, König Philippe.

Der gesamte Vorgang ist völlig unüblich, denn noch nie hat sich ein Monarch in Belgien so umfangreich gegenüber den Medien geöffnet. Zudem ist dies auch nicht nach den Regeln des Palastes, bzw. des königlichen Protokolls verlaufen. Ex-König Albert unterrichtete den Palast nämlich erst, als das Interview aufgenommen, geschnitten und von ihm persönlich abgenommen war. Damit setzte Albert seinen Sohn und das Protokoll des Palastes vor vollendete Tatsachen.

Verschiedene Tageszeitungen in Flandern suggerieren jetzt, dass Albert auf Konfrontationskurz zu seinem Sohn und Nachfolger, König Philippe geht. Er wolle wohl zeigen, dass er nicht akzeptiere, den Anordnungen Philippes Folge zu leisten. Das im Palast eine gewisse Spannung zwischen den Generationen herrscht, ist nichts neues, doch ein solcher Vorgang überrascht wohl jeden im Land.

Für Philippe kommt dieser zweite Affront nach der Wiedereinstellung eines Beraters durch seinen Vater, den er nach einem offenen Brief Paolas zur Krankheit von Prinz Laurent ohne Wissen des Protokolls entlassen hatte, derzeit höchst ungelegen.

Philippe muss zum ersten Mal in seiner Regentschaft seinen Mann bei einer Regierungsbildung stehen. Und diese Regierungsbildung ist komplizierter denn je, denn der gerade angestellte Informator ist kein geringerer als N-VA-Parteichef Bart De Wever, der nicht gerade als besonders Monarchie-freundlich gilt und in dessen Parteiprogramm die Spaltung Belgiens vorgesehen ist.