"Wollte nicht scheinheilig sein!"

Der scheidende Premier Elio Di Rupo hat am Sonntag im französischsprachigen Privatfernsehen RTL-TVi vehement "die Ehrlichkeit und Transparenz" der Entscheidung seiner sozialistischen Partei PS, mit den französischsprachigen Christdemokraten CDH in Wallonien zusammengehen zu wollen, verteidigt. Di Rupo appellierte auch an die liberale MR, die PS nicht zu "beschimpfen".

"Ich habe nicht so tun wollen, als würden wir mit den Verhandlungen fortfahren, obwohl wir uns bereits für eine Koalition entschieden hatten", sagte Di Rupo.

"Die Transparenz und Ehrlichkeit - denn ich verabscheue  Scheinheilichkeit - wollte, dass wir das sagen", bestätigte Di Rupo vor dem Hintergrund der Vereinbarung, die die PS letzten Mittwoch mit der CDH zur Verhandlung der Bildung einer neuen wallonischen und frankophonen Regierung und mit der CDH und der radikal-frankophonen FDF für eine Brüsseler Regierung getroffen hat. 

"Warum diese Verbissenheit? Ich kann ja die Bitterkeit der MR verstehen, aber es gibt keinen Grund die Partner schlecht zu behandeln oder gar zu beschimpfen", fügte der scheidende sozialistische Premier hinzu. Er erinnerte auch noch an den Sitzgewinn (+1) seiner Partei im wallonischen Parlament.

"Es gibt kein Politikspielchen! Man muss aufhören mit diesem Lügenpoker", fuhr er fort und erhob dabei seine Stimme. "Wer lügt hier? Habe ich vielleicht gelogen? (...) Wir haben absolut mit offenen Karten gespielt: Wir waren uns mit der CDH einig und das haben wir den Bürgern gesagt. Mir reicht es langsam. Ich habe Millionen Stunden dafür gekämpft, dieses Land zusammen zu halten", betonte Di Rupo, während seine Gegner seiner Partei vorwerfen, den Föderalstaat in Gefahr zu bringen, indem er die Konföderations-Karte spiele.

Der Premier wollte sich nicht zu den Fortschritten äußern, die man bei den Gesprächen auf Landesebene mache. Er appellierte an alle, den Informator Bart De Wever (N-VA) seine Arbeit machen zu lassen. Letzterer muss dem König am Dienstag einen Abschlussbericht seines Auftrags vorlegen. "Man wird sehen, ob der Auftrag verlängert wird. Falls das so ist, erwarten wir von ihm, davon unterrichtet zu werden. Wir werden schon sehen, wie weit wir sind, inhaltlich...", so Di Rupo abschließend.