Unwetterfolgen: Wer haftet für die Schäden?

Flanderns scheidender Ministerpräsident Kris Peeters (CD&V) will alles daran setzen, dass von den Unwettern der vergangenen Tage und Nächte betroffene Landwirte oder mittelständische Unternehmer rasch Schadensersatz erhalten. In Wingene in der Provinz Westflandern sind z.B. Ernten auf Feldern oder in Treibhäusern völlig zerstört. Die Betroffenen verlieren Einkommen, die ein Jahr lang reichen sollten.

Am Pfingstmontag waren neben Ministerpräsident Kris Peeters auch Westflanderns Provinzgouverneur Carl Decaluwé, Flanderns scheidende Landesministerin für öffentliche Arbeiten, Hilde Crevits (CD&V), und Piet Vanthemsche, der Vorsitzende des flämischen Bauernbundes zum Ortstermin in Wingene erschienen. Was sie hier entdeckten, verschlug ihnen fast die Sprache: Dutzende zerborstene Treib- und Gewächshäuser mit völlig zerstörten Pflanzen und auf den Feldern zerborstene Kartoffeln, Salate und anderes mehr.

Die Hagelstürme der letzten Stunden und Tage hatten ganze Arbeit geleistet und das Einkommen von dutzenden Landwirten und mittelständischen Agrarunternehmern vernichtet. Noch-Ministerpräsident Peeters gab an, dass ab 1. Juli alle behördlichen Vorgänge in solchen Fällen Chefsache der flämischen Landesregierung sein würden. So soll die Bearbeitung von derartigen Schadensersatzfällen schneller und effizienter vonstatten gehen.

Doch dies ist leichter gesagt, als getan. Eigentlich ist Hagelschaden nicht zu versichern und entsprechende Schäden an Fahrzeugen - auch wenn dies Firmenwagen oder Traktoren bzw. Landmaschinen sind, erst recht nicht. Und dass solche Schadensfälle bis zur endgültigen Regelung lange Zeit brauchen, weiß man in Flandern seit dem schweren Gewitterstürm in der Hasselter Gegend im August 2011, bei der auch das Musikfestival Pukkelpop in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Hasselt: Betroffene warten seit 2011 auf Entschädigung

Dort verloren damals einige junge Festivalbesucher ihr Leben und zehntausende mussten vor dem Unwetter in Sicherheit gebracht werden. Bei diesem Unwetter waren auch viele Landwirte aus Hasselt und Umgebung getroffen worden. Die meisten von ihnen warten bis heute auf eine Entschädigung.

Peeters, Vanthemsche und Co. rieten den betroffenen Landwirten und Unternehmen in Wingene genaue Schadensdossiers anzulegen und so viel wie möglich Beweise zu sammeln. Und, die Betroffenen sollten nicht ausschließlich darauf warten, dass der Katastrophenfonds oder der Landwirtschaftsfonds im Bundesland Flandern und des belgischen Staates greifen werden.

Unternehmerverband versucht zu helfen

Am Pfingstmontag gab der Mittelstandsverband Unizo, der Unternehmer aus Brüssel und Flandern vertritt an, man habe eine Webseite eingerichtet, über die man Rat und Hilfe im Zuge von Unwetterschäden einholen kann: www.unizo.be/noodweer. Rund um die Uhr können betroffene mittelständische Unternehmer auch die Notrufnummer von Unizo anwählen: 0800 20 750.

Unizo fordert, dass die am schwersten getroffene flämische Gemeinde Wingene Anspruch auf Ankernennung des Hagelsturms als Katastrophe anmelden kann. Sonst sei es kaum möglich, die durch Hagelkörner entstandenen Millionenschäden finanziell zu verkraften.