König Albert II.: "Perfekte Eltern gibt es nicht"

Mehr als eineinhalb Millionen Belgier haben sich das Interview mit König Albert II. in den Privatfernsehsehndern VTM und RTL-TVI am Montagabend angesehen. Darin sprach Albert über seine Jugend, seine Erziehung, seine Begegnung mit Paola und über den Tod seines Bruders Boudewijn.

"Ich fühle mich jetzt sicher besser als zu Zeiten, zu denen ich noch König war, aber daran muss mich natürlich gewöhnen. Das gilt für alle, die in Rente gehen", sagte König Albert II. am Montag im Interview mit dem flämischen Privatsender VTM.

Albert II. gab zuvor auch ein Interview an den französischsprachigen Sender RTL und in diesem Gespräch sagte er, dass es mit seiner Ehe, nachdem die drei Kinder geboren waren, bergab gegangen sei. Der damalige König Boudewijn hatte schon einer Scheidung mit Paola zugestimmt, aber dann hätten Albert und Paola entschieden, ihrer Ehe eine zweite Chance zu geben. 

"Schließlich ist ein Wunder geschehen und wir haben wieder miteinander geredet." Davor hätten nur noch ihre Anwälte miteinander gesprochen, so der König.

Die Kinder hätten beim Prinzen bleiben sollen und Paola hätte ins Ausland ziehen müssen. "Damit war ich aber nicht einverstanden und da haben wir erneut begonnen, miteinander zu sprechen", so der König.

"Ich bin mir sicher, dass die Kinder darunter gelitten haben", so Königin Paola. "Aber wir taten, was wir konnten."

Albert fügte auch hinzu, dass er den Thron verweigert hätte, wenn er geschieden worden wäre. "Ledig oder geschieden hätte ich den Thron nie angenommen. So etwas muss man als Paar machen."

Paola reagierte auf diese Äußerung überrascht: "Sogar ich wusste das nicht."

"Die idealen Eltern gibt es nicht", so Albert noch, den das starke öffentliche Interesse an der königlichen Familien manchmal stört. "Das kleinste Missverständnis wird direkt öffentlich bekannt gegeben. Das ist eine unerträgliche Situation."

Seine Jugend sei sehr beschützt gewesen. "Bis zu meinem 24. Geburtstag durfte ich nur drei Mal im Jahr ausgehen und nur zu Privatfesten", so der König. Die restliche Freizeit, die er hatte, habe der junge Albert mit Reiten, Autofahren im Park, der Fotografie und dem Golf spielen verbracht.

Paola hat er in der belgischen Botschaft in Rom kennen gelernt. Sein Bruder, König Boudewijn, habe zwar die Einwilligung zu seiner Hochzeit gegeben, aber die ersten Jahren von Paola in Laken wären sehr angespannt gewesen. "Ein Teil der Familie hat sie für einen Eindringling gehalten", sagte Albert.

Über seine Beziehung zu seinem Sohn König Philippe oder zu seiner unehelichen Tochter Delphine Boël sagte er nichts. Boël will vor Gericht ihre Anerkennung erzwingen. Was Philippe betrifft, fügte Albert II. übrigens noch hinzu, dass er ihm bewusst die Zeit gegeben habe, um sich auf die Wahlen vorbereiten zu können.