Bald kommt ein völlig neuer Bahnfahrplan

Die belgische Bahngesellschaft NMBS/SNCB wird Mitte Dezember einen völlig neuen Fahrplan einführen. Seit vier Jahren arbeitet ein 10köpfiges Fahrplanteam an einer kompletten Neufassung. Dabei gingen die Planer zum ersten Mal seit 16 Jahren von einem weißen Blatt aus. Kein Zug blieb den Analysen verschont und keine alteingesessene Abfahrtszeit bleibt die gleiche, wie bisher.

Am 14. Dezember 2014 wird die belgische Bahn ihre traditionelle Fahrplananpassung in Kraft treten lassen. Doch statt der bisher üblichen Feinabstimmung zwischen Sommer- und Winterfahrplan präsentiert die Bahn einen völlig neuen Fahrplan, bei dem gleich alles anders werden soll. Das bedeutet in erster Linie, dass sich die Pendler - Berufspendler oder Schüler und Studenten - auf unter Umständen ganz andere Anfahrts- oder Ankunftszeiten einlassen müssen. Nach Angaben von Bahnchef Jo Cornu wurden jeder Zug und jede Verbindung auf den Prüfstand der Fahrplanplaner gestellt.

Offenbar wurden kaum Züge oder Verbindungen komplett gestrichen und nach heftigen Protesten von Seiten von Fahrgastverbänden, Städten und Gemeinden und anderen betroffenen Interessenvertretern verzichtete die belgische Bahn wohl auch auf die Idee, sehr frühe oder späte Züge wegen zu geringer Auslastung zu streichen.

Auf einigen Verbindungen sollen die Züge entgegen aller Trends etwas länger unterwegs sein. Das betrifft vor allem Züge auf den großen und langen Verbindungen, die über Brüssel fahren müssen. Bekanntermaßen kann der Zugverkehr durch den Brüsseler Verbindungstunnel zwischen dem Nordbahnhof über den unterirdischen Zentralbahnhof zum internationalen Drehkreuz Süd/Midi nicht noch mehr verdichtet werden, denn das geben die sechs dort vorhandenen Gleise einfach nicht her….

Mehr Züge, mehr Kilometer

Allerdings werden auf den großen Achsen Antwerpen-Brüssel-Charleroi und Ostende-Brügge-Gent-Brüssel-Löwen-Lüttich-Welkenraedt/Eupen in Zukunft mehr Züge eingesetzt. Zwischen den großen Städten in Belgien soll es bis zu vier IC-Zügen pro Stunde geben.

Die Bahn will mit dem neuen Fahrplan auch die Effizienz der Mitarbeiter (Schaffner, Lokführer, usw.) steigern, in dem der Fahrplan geordneter wird. Seit der letzten umfassenden Fahrplananpassung vor 16 Jahren stieg die Zahl der Fahrgäste auf dem belgischen Schienennetz um 60 bis 70 %, doch das Budget der Bahngesellschaft NMBS/SNCB stieg nicht in gleichem Umfang mit. Auch dies ließ eine umfassende Fahrplanreform erforderlich machen.

Insgesamt erhöht der neue Fahrplan die Summe der jährlich zu fahrenden Bahnkilometer um 9,5 %, wie aus der Bahnzentrale verlautete. Ab Juli ist der neue Fahrplan, der ab dem 14. Dezember gültig ist, bereits online zu konsultieren. Dann haben die Pendler fast ein halbes Jahr lang Zeit, sich ihren eigenen neuen Fahrplan zusammenzustellen.