Prämien lassen Häuserpreise explodieren

Die Wohnprämien, die ursprünglich eingeführt wurden, um Wohneigentum bezahlbarer zu machen, bewirkten genau das Gegenteil. Das belegt eine Studie der Katholischen Universität Löwen, die die scheidende flämische Wohnungsbauministerin Freya Van den Bossche (SP.A) in Auftrag gegeben hat. Der Preis eines Hauses ist aufgrund der Prämie in den letzten zehn Jahren um 40.000 Euro teurer geworden.

Im Jahr 2005 war die Prämie eingeführt worden. Menschen, die ein Haus kaufen, bauen oder renovieren, können einen Teil  der Zinsen des aufgenommenen Kredits sowie einen Teil der Kapitaltilgungssumme von der Steuer abziehen. Dieser Vorteil kann für ein Ehepaar bis zu 3.000 Euro betragen, schreibt die Zeitung De Standaard, die in die Studie der KU Löwen einsehen konnte.

Aus der Studie geht hervor, dass der Steuervorteil fast ausschließlich dafür verwendt wird, ein teureres Haus zu kaufen. Auch in anderen Ländern hätte man das festgestellt, heißt es bei den Forschern. Da jeder sein zusätzliches Budget benutzt und somit mehr Kredit aufnehmen kann, um ein höheres Angebot unterbreiten zu können, kann der Verkäufer auch höhere Preise fragen. Das System der Wohnprämien treibt also die Preise in die Höhe. 

Für ein durchschnittliches Haus in Flandern bedeutet das ein Anstieg von 28 Prozent. Die Zunahme sei vor allem kurz nach der Einführung der Prämie erfolgt, heißt es.

Die stärkste Preiszunahme habe in den Jahren zwischen 2005 und 2008 statt gefunden. Diejenigen, die damals ein Haus gekauft haben, hätten ein gutes Geschäft gemacht, weil der Vorteil noch nicht völlig im Preis verrechnet gewesen sei. Für diejenigen, die jedoch heute ein Haus kauften, sei die Prämie ein Nachteil. Jemand, der sein erstes Haus kaufe, bezahle mehr dafür, während der Ausgleich hierfür - die Wohnprämie - jährlich in Raten ausbezahlt würde.

Die Forscher der Studie ziehen die Schlussfolgerung, dass die Prämien ihr Ziel des bezahlbaren Wohnens verfehlt hätten.

Sollte deshalb das System einfach abgeschafft werden, wird in der Zeitung De Standaard gefragt. Nein, finden die Forscher, denn das würde die Häuserpreise zum Einsturz bringen. Sie rechnen bei einer Abschaffung mit einer Preissenkung von 23 Prozent. "So eine starke Senkung kommt einem Stillstand des Häusermarktes für viele Jahre gleich. Das ist ganz und gar nicht wünschenswert."

Den Forschern zufolge sollten die Prämien hingegen schrittweise abgebaut werden und zwar innerhalb eines Zeitraums von 20 bis 25 Jahren und nur für neue Verträge.

Wohnprämie liegt auf dem Verhandlungstisch

Das Thema Wohnprämie liegt auf dem Verhandlungstisch zur Bildung einer neuen flämischen Regierung. Mit der Staatsreform erhält Flandern Befugnisse in Sachen Wohnprämie. Die flämischen Nationalisten von der N-VA und die flämischen Christdemokraten von der CD&V stehen einer Reform der Wohnprämie nicht negativ gegenüber, aber abschaffen wollen sie die Prämien nicht.