Bahnstreik: Kaum ein Zug im ganzen Land

In ganz Belgien fährt so gut wie kein Zug. Der Grund ist ein Streik der sozialistischen Gewerkschaft. Die kritisiert den Personalmangel und die Probleme der Mitarbeiter, um ihre Ferientage zu nehmen oder Überstunden abzufeiern. Wer am heutigen Montag auf den Zug angewiesen ist, für den sieht es schlecht aus.
Nicolas Maeterlinck

"Wenn Sie nicht in London sein müssen, bitten wir Sie, umzubuchen", heißt es bei Eurostar am Brüsseler Südbahnhof.

"Der Zug steht abfahrbereit auf dem Gleis, aber er fährt leider nicht los", berichtet unser Radiokollege Jens Franssen. "Die Mitarbeiter von Eurostar tun, was sie können, doch die Fahrgäste sind alles andere als zufrieden."

"Wir nehmen den Bus nach Lille und dann von dort aus den Zug nach London. Ich habe Verständnis für ihre Forderung nach mehr Urlaubstagen, aber ich weiß nicht, ob das die beste Art und Weise ist, um das zu bekommen, was sie wollen", so ein Fahrgast.

Der internationale Bahnverkehr liegt also lahm und auch auf den großen Infotafeln für den Binnenverkehr am Brüsseler Südbahnhof ist kein einziger Zug angekündigt.

Der belgischen Bahn NMBS zufolge führen vereinzelt lokale Züge, mehr jedoch nicht. Die NMBS rechnet für den gesamten Montag mit Problemen. Wer vorhatte, mit der Bahn zu fahren, sollte am heutigen Montag also besser auf ein anderes Verkehrsmittel umsteigen.

Auch die, die arbeiten wollen, sind verhindert

Die christliche und die unabhängige Gewerkschaft streiken nicht mit ihren sozialistischen Kollegen mit. Sie betonen, dass die Probleme nicht neu seien und wollen zunächst die Sozialverhandlungen abwarten.

Diejenigen, die arbeiten möchten, können den Rest des Tages trotzdem nicht mehr zur Arbeit, befürchtet ein Lokführer aus Antwerpen: "Wir wollen arbeiten, aber wir können nicht, weil die Züge nicht über Berchem rausfahren können. Wir sind 70 Lokführer, die darauf warten, abfahren zu können. Das wird aber wahrscheinlich nicht gehen. Wir wissen, dass es in einigen Depots schwierig ist, Urlaubstage einzureichen und dass einige Leute schon seit Jahren keine einzige Woche im Sommer frei bekommen. Das ist ärgerlich." Der Lokführer fügt jedoch auch noch hinzu: "Das muss anders gelöst werden. Das bringt doch nichts."

Nicolas Maeterlinck

Viel los auf den Straßen

Der Bahnstreik hat wie erwartet auch Folgen für den Straßenverkehr. Der morgendliche Berufsverkehr begann früher und wer in Richtung Brüssel fährt, muss sich auf längere Staus einrichten.

In Brüssel selbst ist auch besonders viel los auf den Straßen. Dort beginnen am heutigen Montag große Bauarbeiten. Der Reyers-Viadukt ist in beiden Richtungen gesperrt und der Belliard-Tunnel ist in Richtung Jubelpark geschlossen. Dieses Viertel sollte absolut vermieden werden. Mit diesen Baustellen muss noch bis Ende September gerechnet werden.