Belgiens Luftwaffe leiht einem Weinbauern eine F-16

Michel Pont ist Weinbauer, Schlossherr und Düsenjetfan. Jetzt gelang ihm ein besonderer Coup: Nach jahrelanger Lobbyarbeit bei der belgischen Luftwaffe steht endlich ein F-16-Kampfflieger auf seiner Auffahrt. Der Franzose hat bereits rund 80 Flugzeuge auf seinem Grundstück, doch eine F-16 fehlte noch. Das sind unter anderem die Amerikaner schuld…

Die F-16 auf der Auffahrt zu Michel Ponts Schloss in der Bourgogne stammt aus der Reihe der stillgelegten Kampfflugzeuge der belgischen Luftwaffe. Was den Weinbauern das Ausleihen eines belgischen Kampfjets kostet, will er nicht sagen: "Ein echter Sammler spricht nicht über Geld!"

Das Flugzeug wurde dem steinreichen Weinbauern allerdings als Leihgabe ohne waffenfähige Ausrüstung und funktionsfähigem Düsenantrieb überlassen, wie vonseiten der belgischen Luftwaffe verlautete. Michel Pont sammelt nicht nur Kampfflugzeuge, sondern er betreibt auch ein Museum in Savigny les Beaune (Côte d’Or), in dem dutzende historische Motorräder und Rennautos aus seiner Kollektion ausgestellt sind.

Wie kommt es aber dazu, dass die belgische Armee einem Privatmann aus Frankreich einen ausgedienten Kampfjet gegen Gebühr ausleiht? Gegenüber der flämischen Tageszeitung De Standaard sagte Luftwaffenkommandant Generalleutnant Claude Van de Voorde, dass die belgische Armee gerade dabei sei, den Bestand an F-16-Kampfflugzeugen abzubauen:

"In den 70er und 80er Jahren kaufte die Armee 160 Maschinen, doch davon brauchen wir konstant nur noch 60 und die müssen ständig modernisiert werden. Die anderen Maschinen wurden verschrottet, gingen nach Unfällen verloren oder wurden an andere Länder verkauft. Die noch vorhandenen Maschinen dienen zu PR-Zwecken."

Zumeist landen ausgediente belgische F-16-Kampfjets bei Museen oder als Denkmal auf Kasernenhöfen. In diesem Fall allerdings scheint die letzte Station die Auffahrt eines französischen Sammlers zu sein. Michel Pont ist allerdings bereits einmal bei der belgischen Luftwaffe fündig geworden. Vor einigen Jahren erwarb er dort eine Mirage, ein Kampfjet französischer Produktion.

Amerikanische Bedenken

Sein Traum, auch einmal eine F-16 in der Sammlung zu haben, scheiterte bisher an den USA: Die Amerikaner hielten nichts davon, dass ein modernes Kampfflugzeug voller Spitzentechnologie eigener Herstellung in einem Weingut in Frankreich "landen" sollte. Doch nach langen Verhandlungen gab die belgische Luftwaffe nach Einschaltung der US-Botschaften in Brüssel und Paris grünes Licht für das Projekt. Doch nach Ansicht von Generalleutnant Van de Voorde ist den Amerikaner trotzdem nicht ganz wohl bei der Sache.