Ein Tag ohne Zug: Was kostet ein Bahnstreik?

Am 30. Juni hatte ein Streik der sozialistischen Bahnarbeiter-Gewerkschaft den Bahnverkehr in Belgien für die Dauer von 24 Stunden fast völlig zum Erliegen gebracht. Die anderen Gewerkschaften folgten dem Streikaufruf der sozialistischen Kollegen nicht. Bahnchef Jo Cornu war derart sauer, dass er die Verluste für sein Unternehmen berechnen ließ.

Jo Cornu (kleines Foto), der Chef der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB, war mit dem Streikaufruf der sozialistischen Eisenbahnergewerkschaft ACOD Spoor für den 30. Juni nicht einverstanden. Zu dieser Zeit liefen Tarifverhandlungen zwischen der Bahn und ihren Gewerkschaften und aus diesem Grund folgten die anderen Arbeitnehmervertreter dem Aufruf der sozialistischen Kollegen auch nicht.

Bahnchef Cornu war derart aufgebracht, dass er in den Medien ankündigte, die Kosten, die der NMBS/SNCB durch einen solchen Streik entstehen, berechnen zu lassen. Jetzt liegen die Ergebnisse dieser Berechnung vor: Die flämische Tageszeitung Het Nieuwsblad beziffert die Verluste der Bahn am 30. Juni auf 1,3 Mio. €. Bahnchef Cornu ergänzt diese Zahl gegenüber Het Nieuwsblad um die Anmerkung, dass hier nur die Summe der an diesem Tag nicht verkauften Fahrscheine enthalten ist.

Die Zusatzkosten für die Erstattung von verfallenen Tickets und für Berufspendler mit Abos sind dort ebenso wenig enthalten, wie die Finanzierung der Ersatzbusse, die Strafzahlungen an internationale Bahngesellschaften, die auf den belgischen Netz verkehren (z.B. Thalys, Eurostar, Deutsche Bahn AG und diverse Güterunternehmen) und Kosten für die ausgefallenen nationalen und internationalen Güterzüge.

Nur die halbe Rechnung...

Cornu erinnerte die Eisenbahner seines Unternehmens daran, dass man so nicht aus den roten Zahlen kommen könne: „Durch diese Berechnung weiß jetzt jeder, wie hoch die Kosten des Streiks und wie groß der Schaden für die Bahn sind. Dieser Streik fügt der Bahn aber nicht nur einen finanziellen Schaden zu, sondern auch einen Imageschaden. (…) Dies sind Kosten, die wir nicht mehr kompensieren können.“ Die Gewerkschaften waren für eine Reaktion für die Redaktion von Het Nieuwsblad offenbar nicht erreichbar.