Belgien: Die Asylanfragen steigen wieder

Die Zahl der Asylanfragen ist in den letzten beiden Monaten in Belgien zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder gestiegen. Bisher war Belgien das einzige europäische Land, in dem der fallende Trend sich erhalten hatte. Allerdings ist es noch zu früh um zu wissen, ob es dieses Jahr insgesamt einen Anstieg an Asylbewerbungen geben wird. Die meisten Asylsuchenden kommen aus Eritrea, aber auch aus den aktuellen Konfliktgebieten.

Im Juli haben mehr Menschen in unserem Land das Asylrecht beantragt, als im Juli des vorherigen Jahres. 1.490 Anträge wurden eingereicht, was einem Anstieg von fast 14 Prozent entspricht. Auch im Juni stieg die Zahl der Asylbewerber schon.

Der Anstieg ist bemerkenswert, denn in den letzten 2 Jahren gab es einen kontinuierlichen Rückgang an Asylanträgen. Noch im letzten Jahr war die Zahl der Asylbewerber, mit insgesamt nur etwa 15.000 Anträgen, die niedrigste seit 5 Jahren.

Dieses Jahr sind es bisher insgesamt erst etwa 9.000 Anträge. Damit ist noch völlig offen ob es dieses Jahr insgesamt einen Anstieg, oder Rückgang an Asylanträgen geben wird.

Woher kommen die Asylsuchenden?

Ein steigender Anteil der Asylbewerber kommt aus Eritrea. Während 2013 insgesamt nur 66 Asylanträge von Eritreern gestellt wurden, sind es dieses Jahr bereits 404 Anträge, davon die Hälfte allein im Juli. Mit der Hilfe von Menschenschmugglern gelangen sie auf Booten über das Mittelmeer nach Italien, von wo aus sie dann sofort nach Nordeuropa weiterziehen.

„Wir müssen gegen die Menschenschmuggler vorgehen“, so Maggie De Block, die noch amtierende Staatssekretärin für Asyl und Migration (Open VLD - kl. Foto). „Viele Menschen lassen auf der Überfahrt nach Europa ihr Leben“.

Es gibt verschiedene Gründe, warum diese Menschen vermehrt Eritrea verlassen wollen. Zum einen gilt dort für Männer und Frauen eine zehnjährige Wehrpflicht. Viele desertieren, werden verfolgt und müssen deswegen flüchten. Andere werden ihrer Religion wegen verfolgt, oder weil sie Widerstand gegen das Regime geleistet haben und können deswegen nicht mehr in ihrem Heimatland bleiben.

Aber auch aus Afghanistan, Syrien, Irak und aus der Ukraine kommen nun mehr Asylbewerber. Der Einfluss den die aktuellen Konflikte auf die Zahl der Asylanträge haben ist deutlich zu erkennen. „Wenn die Menschen in Belgien angekommen sind, überprüft das General-Kommissariat für Flüchtlinge ob sie hier Schutz erhalten können“, so Maggie De Block.

Neue Politik in den Niederlanden

Belgien ist nicht das einzige Land, in dem die Zahl der Asylbewerber gestiegen ist. Auch in unseren Nachbarländern ist ein Anstieg zu beobachten. In den Niederlanden kam es schon im April und Mai zu einem enormen Einstrom an Asylbewerbern. So wurden im Mai ganze 1.860 Asylanträge allein von Eritreern gestellt. Diese Zahl ist im Juli aber wieder auf nur 203 Anträge gesunken.

Zurückzuführen ist der Rückgang darauf, dass die Niederlande deutlich angekündigt haben, Maßnahmen gegen die vermehrten Asylanträge ergreifen zu wollen und diese Ankündigung zeigte Wirkung. Die Eritreer weichen jetzt aus den Niederlanden in die Schweiz, nach Schweden und zum Teil auch nach Belgien aus.