900.000 Belgier können Arztbesuch nicht bezahlen

Belgien schneidet im von der Europäischen Kommission durchgeführten Vergleich der verschiedenen europäischen Gesundheitssysteme schlecht ab. Der Qualicopc-Untersuchung zufolge können etwa 900.000 Belgier einen Arztbesuche nicht bezahlen. Hinter uns im Ranking liegen nur ärmere Länder wie Rumänien und Bulgarien, berichtet die flämische Zeitung De Morgen, die sich die ersten Ergebnisse der Untersuchung anschauen durften.

In der Qualicopc-Untersuchung wurden die Gesundheitssysteme von 31 europäischen Ländern hinsichtlich ihrer Qualität, der Kosten und der Gleichheit verglichen. Belgien nimmt darin den 20. Platz ein. „Man könnte meinen, dass wir auf Platz 20 im Mittelmaß liegen, aber so ist es nicht. Wenn man die Länder sieht, die schlechter abschneiden als wir, gibt es keinen Grund mit dem Ergebnis zufrieden zu sein“, so Sarah Willems, Professorin im Fachbereich Allgemeinmedizin an der Universität Gent und eine der Hauptprüferinnen der Untersuchung. Hinter uns liegen nur noch ärmere Länder, wie Rumänien und Bulgarien.

Ganze 8,6 Prozent der Belgier haben der Studie zufolge einen Arztbesuch aus finanziellen Gründen unterlassen. Fast doppelt so viele wie in Deutschland, wo nur 4,5 Prozent aus Geldgründen nicht zum Arzt gehen. In unserem Nachbarland den Niederlanden sind es sogar nur 1,6 Prozent. Bei Belgiern mit niedrigem Einkommen ist die Rate sogar noch höher. Jeder Fünfte gab an im letzten Jahr einen Arztbesuch aus finanziellen Gründen ausfallen lassen zu haben.

Was viele Belgier abschreckt zum Arzt zu gehen ist das sogenannte „remgeld“, eine Praxisgebühr, die bei jedem Arztbesuch bezahlt werden muss. Sie beträgt 23 Euro. Davon werden später zwar etwa 17 Euro von der Krankenkasse zurückerstattet, aber 6 Euro Eigenanteil bleiben dennoch.

Dadurch wird klar, warum manche Belgier schneller zum Notarzt gehen, als zu ihrem Hausarzt. Es liegt nicht etwa daran, dass die Hausärzte nicht qualifiziert genug wären, sondern daran, dass man beim Notarzt nicht sofort eine Gebühr bezahlen muss.

Unwissen über fast kostenlose Behandlungen

„Viele Menschen wissen nicht, dass es Gesundheitszentren und medizinische Häuser gibt, wo sich Patienten in finanzieller Not für nur einen Euro behandeln lassen können.

In diesen Einrichtungen übernehmen der Staat, oder Dritte die Finanzierung der Arztkosten“, sagt Maaike van Overloop von der Hausarztvereinigung Domus Medica.

Domus Medica setzt sich deshalb dafür ein, dass durch große Werbekampagnen und die sozialen Medien besser über diese fast kostenlosen Gesundheitszentren informiert wird.