Russlands Boykott trifft auch Belgiens Export

Der russische Premierminister Dimitri Medvedev gab am Donnerstag zu verstehen, dass sein Land für die Dauer eines Jahres die Einfuhr von Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Milch und Milchprodukten aus dem Westen boykottieren werde. Das ist eine Reaktion auf die Haltung des Westens wegen der Ukraine-Politik Russlands. In Belgien sind davon in erster Linie die Exporte von Obst und Schweinefleisch betroffen.

Die Sanktionen der Russen gegenüber der Europäischen Union, den USA, Australien, Kanada und Norwegen waren zu erwarten. Sie richten sich aber auch gegen die Ukraine und gegen Japan. Die Einfuhr von alkoholischen Getränken ist davon nicht betroffen, sondern „nur“ der Import von Lebensmitteln aller Art.

Dieser „Kalte Wirtschaftskrieg“ zwischen dem Westen und Russland als Folge der russischen Ukraine-Politik trifft in Belgien in erster Linie den Export von Obst und von Schweinefleisch nach Russland. Etwa 60 % der Birnenproduktion aus dem belgischen Bundesland Flandern ist für den russischen Markt bestimmt. Hier sind besonders die Obstanbaugebiete in der Provinz Limburg und im so genannten „Hageland“ im Osten der Provinz Flämisch-Brabant.

Insgesamt beträgt das Exportvolumen von landwirtschaftlichen Produkten aus Belgien nach Russland jährlich etwa 230 Mio. €. Zahlen von Seiten der Belgischen Nationalbank, des Bauernbundes und von Benelux AgriPress (ein Infodienst des Landwirtschaftssektors) zufolge liefert der Export von Birnen aus Flandern den Erzeugern rund 100 Mio. € jährlich.

Der Verkauf von Äpfeln aus Belgien nach Russland bringt 43 Mio. €, von Tomaten 22 Mio. €, von Milch und Milchprodukten 10 Mio. € und von Paprika 6 Mio. €. Zudem liefert die belgische Fleischindustrie Schweinefleisch für 50 Mio. € nach Russland. Der russische Markt ist für die belgische Fleischindustrie nach der EU der zweitwichtigste Absatzmarkt.

Unterschiedliche Erwartungen

Die Milchindustrie in unserem Land hat mehr Angst vor den Auswirkungen des russischen Wirtschaftsboykotts, als zum Beispiel die Birnen anbauenden Obstbauern. Im vergangenen Jahr führte unser Land z.B. Käse und Butter im Wert von etwa 20 Mio. € nach Russland aus. Renaat Debergh vom belgischen Dachverband der Milchindustrie sagte gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion, dass die EU allgemein einen wichtigen Absatzmarkt verliert: „Von allem Käse, den die EU exportiert, geht jedes dritte Kilogramm nach Russland und jedes vierte Kilogramm Butter geht den gleichen Weg.“

Die belgischen Obstbauern und -händler machen sich dem entgegen aber keine allzu großen Sorgen, denn sie haben auch andere Absatzmärkte, die ausbaufähig sind, wie Philippe Appelthans vom Verband der Landbau-Versteigerungen dazu angab: „Wir erwarten für die kommende Erntesaison deutlich weniger Birnen in Südeuropa und in der Türkei. Das wären also neue Märkte für uns. Überdies exportieren wir im August und im September keine Äpfel und Birnen nach Russland. Dort wächst der Konsum erst im Oktober und September und während der Wintermonate.“