Auch Jugendliche lehnen manche Behandlungen ab

Fast schon 30.000 Flamen besitzen eine sogenannte LEIFkaart, eine Karte, auf der man angeben kann, welche medizinischen Behandlungen man bekommen, oder nicht bekommen möchte, wenn man beispielsweise in ein Koma fällt. Auffallend ist, dass auch immer mehr Jugendliche eine solche Karte bei sich tragen, schreibt die flämische Zeitung Gazet van Antwerpen.

Auf der LEIFkaart kann man ganz verschiedene Wünsche angeben. Zu den beliebtesten gehören negative Willenserklärungen, bei denen Besitzer einer LEIFkaart angeben können, welche Behandlungen sie auf keinen Fall erhalten wollen.

Dazu gehören zum Beispiel Wiederbelebung und künstliche Beatmung. Aber auch ob man der Sterbehilfe und der Organspende zustimmt, oder nicht, kann man auf der LEIFkaart angeben und sogar Beerdigungsprozeduren lassen sich dort vermerken.

In den Niederlanden tragen bereits mehr als 20.000 Menschen eine Marke mit sich herum, die angibt, dass sie nicht wiederbelebt werden möchten. In Belgien nimmt die Zahl derer, die das verweigern, seit letztem Jahr enorm zu.

„Jeden Monat gehen bei uns zwischen 50 und 100 Anfragen ein und das bei einer Wartezeit von zwei Monaten“, so Dr. Wim Distelmans (kleines Foto), Onkologe, Spezialist für Palliativsorge, Mitinitiator der LEIFkaart und derzeit Vorsitzender der belgischen Bundeskommission für Sterbehilfe.

Jugendliche mit einer LEIFkaart

Auffallen ist auch, dass immer mehr Jugendliche eine LEIFkaart haben möchten. „Uns fällt auf, dass die sogenannte Internetgeneration immer interessierter daran ist, die Kontrolle über ihr Lebensende selbst zu haben“, sagte Distelmans der VRT.

„Wir vermuten, dass das Interesse an der LEIFkaart unter Jugendlichen daher kommt, dass sie in ihren Familien tragische Unfälle miterlebt haben. Außerdem scheinen die jungen Leute die Kontrolle, die sie über ihr Ableben haben können, auch auf die möglicherweise längere Krankheitszeit ausdehnen zu wollen.“

Der Grund warum viele Menschen insgesamt sich dafür entscheiden bestimmte medizinische Behandlungen abzulehnen, ist, dass sie es vermeiden wollen nach einem Unfall, oder einer schweren Krankheit mit bleibenden, schweren Behinderungen weiterleben zu müssen.