Halen: Der Welt letzte Kavallerieschlacht

Die Schlacht von Halen am 12. August 1914 in der Nähe von Löwen war der erste Sieg der belgischen Armee im Ersten Weltkrieg und zugleich die letzte Kavallerieschlacht in der modernen Kriegsgeschichte. Diese Schlacht wird in der Geschichtsschreibung auch gerne die „Schlacht der Silbernen Helme“ genannt.

Die Schlacht von Halen, etwa 30 km von Löwen entfernt, war einer der wenigen Rückschläge, die die deutsche Armee während der Invasion des neutralen Königsreichs Belgien am Anfang des Ersten Weltkriegs erleiden musste. Die deutschen Truppen unter General Georg von der Marwitz wurden am 12. August 1914 von den ständigen Angriffswellen der belgischen Reiter unter Generalleutnant Baron De Witte den ganzen Tag über in die Enge gedrängt und mussten sich geschlagen geben.

Der Vorhut der deutschen Kavallerie, die auf dem Vormarsch in Richtung Antwerpen war, gelang es nicht, die einzige belgische Kavallerieeinheit zu schlagen. Die belgischen Reiter hatten die Aufgabe, die Brücke von Halen über dem Flüsschen Gete, die die Belgier als natürliche Verteidigungslinie nutzen wollten, zu bewachen und taten dies erfolgreich trotz verschiedener deutscher Attacken mit Säbeln und Lanzen.

Die Verteidigung der Belgier wurde aber nicht ausschließlich mit Reitern zu Pferd durchgeführt, sondern auch von Radfahrern und von Pionieren, die den Befehl erhalten hatten, abzusitzen und die gegnerischen Angriffe mit schwerem Gewehrfeuer zu parieren. Zudem stiegen auch die belgischen Kavalleristen selbst von ihren Pferden, um entlang von Feldern und Pfaden Verteidigungslinien zu bilden. Den deutschen Angreifern wurden an diesem Tag schwere Verluste zugefügt, doch am Kriegsverlauf als solchem änderte der belgische Sieg in Halen nichts, denn die deutschen nahmen das neutrale Königreich Belgien in wenigen Wochen ein.

Hohe Verluste

Die Belgier verloren an diesem 12. August 1914 160 Mann und beide Kavallerieseiten hatten danach rund 400 Pferde weniger. 140 Deutsche kamen bei den Gefechten ums Leben und etwa 600 von ihnen wurden verletzt. 200 deutsche Soldaten wurden von den Belgiern in Kriegsgefangenschaft genommen. Die belgischen Gefallenen wurden in Halen auf dem dortigen Soldatenfriedhof begraben. Diese Schlacht ist die letzte Kavallerieschlacht der Welt und gilt auch als letztes Gefecht der modernen Kriegsführung, in der sich die gegnerischen Soldaten mit blankem Säbel und blitzender Lanze gegenüber standen.

Museum

Im Weiler Rotem bei Halen hat der Landwirt Jozef Stroobants ein privates Museum über die „Schlacht von Halen“ eingerichtet, das heute von seinen Nachkommen betrieben wird. Das Museum liegt auf dem „Ijzerwinnig“ genannten Landgut, auf dem Teile der Kämpfe stattgefunden haben. www.slagderzilverenhelmen.be/

Die "Schlacht der Silbernen Helme"

In der englischsprachigen Geschichtsschreibung ist diese Schlacht als „Schlacht von Halen“ bekannt. In Belgien allerdings und besonders in Flandern wird sie aber auch gerne die „Schlacht der Silbernen Helme“ genannt, denn der Dichter und katholische Geistliche August Cuppens, der 1914 Pastor in nahegelegenen Loksbergen war, schrieb dazu ein Gedicht, das sich an die silbernen Helme der geschlagenen deutschen Kürassiere anlehnte.

Viele Anwohner und auch einige belgische Soldaten hatten sich solche Helme nach der Schlacht schlicht und einfach mit nach Hause genommen. In verschiedenen Museen in Belgien, in denen man sich auch des Ersten Weltkriegs angenommen hat, sind solche Helme ausgestellt.

Cuppens‘ Gedicht schlägt übrigens den Kreis von der heroischen „Schlacht der Silbernen Helme“ in Halen zur „Schlacht der Goldenen Sporen“ in Kortrijk, bei ein Heer aus flämischen Soldaten und Bauern am 11. Juli 1302 die französischen Besatzer in die Flucht geschlagen hatte. Dieser Tag wird seither als erster Tag der flämischen Emanzipation begangen.

Der siegreiche belgische Generalleutnant Léon Alphonse De Witte wurde 1921 von König Albert I. in den Adelsstand erhoben und erhielt 1928 per Königlichem Erlass den Zusatznamen de Haelen - ein Hinweis auf seine Heldentat in Halen. Dadurch wurde aus ihm Generalleutnant Baron de Witte de Haelen.