Stilllegung verlängert, Sicherheit verschärft

Der Kernkraftreaktor Doel 4 ist nach dem Auslaufen des Schmieröls einer Turbine vielleicht schwerer beschädigt als ursprünglich gedacht und wird noch einen weiteren Monat nicht betriebsfähig sein. Außerdem wurden in den belgischen Atomkraftanlagen Doel und Tihange (25 km südwestlich von Lüttich) nach dem Vorfall am Dienstag, der vermutlich auf Sabotage zurückzuführen ist, nun verschärfte Sicherheitsmaßnahmen eingeführt.

Der Geschäftsführer von Electrabel begründete die verlängerte Stilllegung des Atomkraftwerks damit, dass eine tiefgründigere Schadensbewertung nötig sei. „Wir haben letzte Woche damit begonnen, die Turbine zu öffnen und innen erste Schäden festgestellt“, fügte Electrabel Sprecher Geetha Keyaert hinzu. „Im Moment können wir aber noch nicht konkreter sagen, worum genau es sich bei den Schäden handelt, weil wir noch nicht alle Informationen haben.“

Zurzeit arbeitet ein Team von 110 bis 160 Personen in zwei Schichten am Tag daran, die Turbine, die normalerweise eine Leistung von 1039 MW hat, zu demontieren um mögliche weitere Schäden festzustellen.

Ursprünglich sollte Doel 4 am 18. August wieder in Betrieb gesetzt werden. Für Electrabel ist nun aber klar, dass sie diesen Termin nicht werden einhalten können. „Wir sind dazu verpflichtet, den Markt über die Nichtverfügbarkeit unseres Reaktors zu informieren. Vorläufig ist als neuer Termin für die Wiederinbetriebsetzung der 15. September vorgesehen. Aber dieser könnte je nach Situation sowohl nach vorne, als auch noch weiter nach hinten verschieben.“

Der Reaktor Doel 4 musste am 5. August vom Netz genommen werden, nach dem 65.000 Liter Schmieröl aus einer Turbine in ein unterirdisches Reservoir gelaufen waren und die Turbine deswegen überhitzte. Die Staatsanwaltschaft der Stadt Dendemonde in Ostflandern und die Atomaufsichtsbehörde FANC untersuchen momentan, ob Mitarbeiter des Atomkraftwerks das Schmieröl mit Absicht haben auslaufen lassen.

Wegen des starken Verdachts auf Sabotage wurden nun nicht nur in Doel, sondern auch in der Atomkraftanlage Tihange verschärfte Sicherheitsmaßnahmen eingeführt. Die Mitarbeiter der beiden Anlagen werden künftig nur noch zu zweit zu den technischen Apparaturen gelangen können, so Mark Roedolf von der christlichen Angestellten-Gewerkschaft ACOD.