Kernkraft: Bleibt Doel 4 länger außer Betrieb?

Nach Informationen unseres Hauses, der VRT, könnte der Kernreaktor Doel 4 des gleichnamigen Atomkraftwerks nahe Antwerpen (Foto) bis zur Jahreswende außer Betrieb bleiben. Mittlerweile kommen in diesem Zusammenhang wieder Gerüchte auf, nach denen es im Winter zu „Black Outs“ wegen Strommangel kommen kann.

Die Schäden an der Ölzufuhr für die Dampfturbine des Reaktors Doel 4 sind offenbar größer, als erwartet.

Zehntausende Liter waren nach einem vermeintlichen Sabotageakt ausgelaufen und der dadurch aufgetretene Schmierölmangel könnte nach Informationen der VRT auch die Achse der Turbine beschädigt haben, weil diese heiß gelaufen sei.

Diese Achse allerdings gibt es in dieser Form nicht einfach so im Ersatzteillager zu kaufen, sondern müsste als Sonderanfertigung auf die Maße der Doel 4-Turbine hin neu gegossen werden.

Diese Information haben unsere Kollegen von der TV-Nachrichtenredaktion von ungenannt bleibenden Quellen innerhalb der Kraftwerksbetreibers Electrabel. Doch hier will man von diesem Vorgang nichts wissen und staunt über die entsprechenden Meldungen der VRT.

Energieengpässe im kommenden Winter?

Derzeit sind neben dem vermeintlich sabotierten Kernreaktor Doel 4 auch zwei weitere Kernreaktoren schadhaft abgeschaltet: Doel 3 und Tihange 2 wurden von Netz genommen, weil sich Haarrisse in der stählernen Ummantelung der Reaktoren gebildet haben. Auch hier sind die Schäden problematischer, als anfangs angenommen.

Nicht zuletzt soll Tihange 1 im September wegen dringend erforderlicher Unterhaltsarbeiten eine Zeit lang vom Netz genommen werden. Von den 6.000 Megawatt-Stunden, die die belgischen Kernreaktoren normalerweise produzieren, fließen summa summarum nach all den jetzt aufgetauchten Problemen nur etwa 2.000 MW-Stunden ins Netz. Im Sommer reicht das aus, doch im Winter könnte es eng werden.

Stromnetzbetreiber Elia macht sich derzeit noch keine Sorgen, denn in diesen Tagen können Gas-, Wind- und Sonnenenergie Ausfälle in der Kernkraft problemlos auffangen. Aber, mittlerweile wird auch wieder auf Wasserkraft gesetzt und die Anlagen am Stausee und am Wasserfall von Coo in den Ardennen bei Malmedy wurden wieder angeworfen. Zur Not könne man auch Strom importieren, hieß es bei Elia, doch nach Ansicht von Beobachtern könnte es durchaus im Winter zu Stromausfällen kommen, die man im Vorfeld planen müsste - z.B. in weniger dicht besiedelten ländlichen Regionen.