Siemens Desiro: Ein neues Fyra-Debakel für die Bahn?

Bahnchef Jo Cornu hat nach dem Debakel mit den Fyra-HST-Zügen für den Bahnverkehr zwischen Belgien und der Niederlande ein weiteres Problem mit neuen Zügen, die den Ansprüchen der belgischen Eisenbahngesellschaft NMBS/SNCB qualitativ nicht genügen: Die Triebwagen vom Typ Desiro, die Siemens Transport an die belgische Bahn geliefert hat, fallen zu oft in Panne. Mindestens ein Zug pro Woche muss in die Werkstatt.

Nach Bahnangaben fällt ein von Siemens an die  NMBS/SNCB gelieferter Desiro-Triebzug alle 8.000 km aus, wie das flämische Nachrichtenmagazin in der aktuellen Ausgabe meldet. Für Bahnchef Jo Cornu ist diese Häufigkeit an technischen Defekten „unannehmbar.“ 200  der 300 bestellten Züge fahren bereits auf dem belgischen Gleisnetz, doch diese haben oft Probleme mit der Türöffnung und mit der eigenen Stromabnahme.

Cornu will, dass Siemens für die entstehenden Probleme geradesteht: „Das kostet Siemens Geld.“

Das Problem, dass die Eisenbahnen mit neuen Fahrzeugen selten zufrieden sind, geht tiefer: „In Europa ist bei den Eisenbahnen fast nichts standardisiert. Anhand von hunderten Seiten eines Lastenheftes werden Züge für die Kunden auf Maß hergestellt. Stellen Sie sich vor, dass würde bei Autos auch so gemacht.“

Allerdings lässt sich auch die belgische Eisenbahn aufgrund von eigenen Lastenheften Züge nach eigenen Vorstellungen herstellen. Aber, auch für unser Land gibt es keine Züge von der Stange…

Inzwischen leidet aber auch die Pünktlichkeit der Züge in Belgien unter den Defekten der neuen Siemens-Desiro-Züge, die in rascher Folge ausgeliefert wurden, um älteres Material aus den 1950er und 1960er Jahren zu ersetzen. „In 35 % der Fälle sind Verspätungen auf die Unzuverlässigkeit des Materials zurückzuführen“, so Cornu. Doch eine schnelle Lösung ist derzeit wohl nicht in Sicht.

TreinTramBus-Verband bleibt bei seiner Kritik

Auch der Verband der Verbraucher von öffentlichen Verkehrsmitteln hält an seiner Kritik gegenüber der belgischen Bahn fest.

Nachdem die Bahn der Regierung ihr Strategiepapier 2014-2017 im Februar zur Verabschiedung vorgelegt hatte, wurde sie von der Regierung aufgefordert, mehr für die Pünktlichkeit und zuverlässige Fahrpläne zu tun, bemängelt der Verband jetzt, dass die NMBS/SNCB noch immer nichts in diesem Sinne unternommen hat. Früh- und Spätzüge werden definitiv abgeschaffft, heißt es bei der Bahn. 

 

BELGA

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