Flandern: Unterstützung für offen homosexuelle Lehrer

Raymonda Verdyck, Leiterin des öffentlichen flämischen Bildungswesens (GO!) und Lieven Boeve, Leiterin des katholischen flämischen Bildungswesens, haben sich beide für offen homosexuelle Lehrer eingesetzt. Damit widersprechen sie ihrem Brüsseler Kollegen Charles Huygens, der findet, dass Lehrkräfte im Klassenzimmer nicht über ihr Privatleben reden sollten. Ursprung der Diskussion war, dass ein homosexueller Lehrer von einem Schuldirektor in Brüssel darum gebeten wurde, seine sexuelle Orientierung zu verschweigen.
AMELIE-BENOIST / BSIP

Huygens zufolge sollten Lehrer in ihren Klassenzimmern so wenig wie möglich über ihr Privatleben erzählen. Grund dafür sei, dass Lehrer so mögliche Konfliktsituationen vermeiden können. „Brüssel ist eine große Stadt. Es gibt hier Menschen von verschiedener Herkunft und mit verschiedenen Überzeugungen. Darum müssen wir ein Mindestmaß an Regeln einhalten“.

Raymonda Verdyck, Leiterin von GO!, widerspricht Huygens vehement: „Ob jemand nun Männer oder Frauen liebt hat nichts mit der Neutralität eines Lehrers zu tun. Die sexuelle Orientierung ist ein Teil davon, wer man als Person ist. Sie ist aber weder eine politische oder ideologische Meinung, noch eine Weltanschauung.“

„Wir brauchen gute Lehrer und deren sexuelle Orientierung spielt dabei keine Rolle. Natürlich ist es trotzdem immer empfehlenswert, vorsichtig zu sein, wenn es um Persönliches geht.“, fügt Verdyck noch hinzu.

Identität ist von Bedeutung

Ihre Kollegin vom katholischen Bildungswesen, Lieven Boeve, stimmt Verdyck voll und ganz zu. „Wir sehen Lehrkräfte als Fachleute, aber ihre Identität ist auch von Bedeutung.“

„Letztendlich ist es als Lehrer unser Ziel, junge Menschen so zu unterrichten, dass sie zu vollständigen Personen heranwachsen. Das sollte bedeuten, dass auch Lehrer im Klassenzimmer vollständige Personen sein dürfen und das schließt ihre sexuelle Orientierung mit ein.“

Schulleitungen müssen umdenken

Dem flämischen Radio 2 sagte der Lehrer David Degreef, dass er hoffe, Schulen werden sich in Zukunft gegenüber offen homosexuellen Lehrern toleranter zeigen. „Ich denke, als erstes müssen wir die Schulleitungen dazu bewegen, umzudenken. Sie müssen sich daran gewöhnen, dass es homosexuelle Lehrkräfte gibt, die über ihren Partner sprechen wollen. Die Kinder und Eltern werden der Schulleitung dann schon folgen. Egal ob sie einen Migrationshintergrund haben, oder schon immer hier leben.“