Andenne: Eine kleine Stadt wird fast ausgelöscht

Der 19. August 1914 brachte für die Bevölkerung der kleinen Stadt Andenne am rechten Ufer der Maas zwischen Namür und Huy die Hölle. Vor diesem Tag war Andenne ein kleiner verträumter und glücklicher Ort, doch der Ausbruch des Ersten Weltkriegs brachte der Stadt und dem kleinen Nachbarort Seilles am anderen Ufer ein bis heute unvergessenes Grauen.

Es war gegen 10 Uhr am Morgen des 19. August, als die ersten deutschen Soldaten in Andenne ankamen. Ihnen folgte eine nicht enden wollende Flut an weiteren Truppen, die gen Paris zogen. Völlig grundlos kam es am 20. August und an den beiden folgenden Tagen zu regelrechten Massakern an der Bevölkerung.

Mit der Begründung, sie seien von Heckenschützen aus der Zivilbevölkerung beschossen worden, trieben die Deutschen immer wieder wahllos Menschen zusammen. Sie wurden standrechtlich erschossen und ihre Häuser geplündert und nicht selten in Brand gesteckt. Die Bilanz dieser Tage ist erschütternd: 260 Zivilisten aus Andenne und dem Weiler Seilles wurden umgebracht und viele Menschen verschwanden spurlos.

Etwa 200 Häuser wurden niedergebrannt. Alle anderen plünderte man leer oder zerstörte alles, was darin nicht niet- und nagelfest war. Acht Tage lang wüteten deutsche Soldaten in Andenne und hinterließen die in dieser Hinsicht am schwersten getroffene Stadt in Belgien. Keine andere Stadt musste einen so hohen Blutzoll zahlen, die die kleine Ortschaft am Ufer der Maas. Noch heute sind diese Tage in Andenne und Umgebung spürbar: Denkmäler und Gedenkplaketten findet man dort überall.

Quelle: 100 Jahre Großer Krieg: Belgische Märtyrerstädte gedenken dem Jahr 1914