Endgültiges Aus für Tihange 2 und Doel 3?

Nach Informationen unseres Hauses, der VRT, werden die derzeit stillgelegten Atommeiler Tihange 2 und Doel 3 möglicherweise nie mehr ans Netz gehen. Weitere Tests der von Haarrissen durchzogenen stählernen Ummantelung der Meiler ergaben offenbar weitere sicherheitsrelevante Mängel. Im Herbst sollen die Ergebnisse dieser Tests vorgelegt werden.

Die Haarrisse in den Reaktorhüllen wurden bei Routinekontrollen mit neuartigen Technologien festgestellt. Seit dem sind die beiden betroffenen Meiler Tihange 2 und Doel 3 abgeschaltet.

Jetzt haben Testläufe mit baugleichem radioaktiv massiv bestrahltem Stahl im Kernforschungszentrum von Mol ergeben, dass die Ummantelungen der Meiler tatsächlich sicherheitstechnische Risiken bedeuten. Diese Tests werden im Auftrag des Kraftwerksbetreibers Electrabel durchgeführt. Doch von Seiten des Energiekonzerns wurden die VRT-Informationen weder bestätigt, noch verneint.

Die belgische Atomaufsichtsbehörde FANC scheint nach weiteren Medieninformationen der Ansicht zu sein, dass Tihange 2 und Doel 3 wohl besser nicht mehr in Betrieb genommen werden sollten. Doch dies kann kurz- bis mittelfristig zu Problemen mit der Stromversorgung in Belgien führen. Die Behörden auf Bundes-, Landes- und Regionalebene arbeiten bereits an Notfallplänen, die mitunter zu zeitweisen Abschaltungen der Stromversorgung in ländlichen Gebieten im Winter führen könnten.

Notgeneratoren und Stromimporte

Belgiens scheidender Wirtschafts- und Verbraucherschutzminister Johan Vande Lanotte (SP.A - Foto) nannte das Problem der drohenden Energieknappheit gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion am Mittwochmorgen real aber beherrschbar. Zusätzliche Importe aus den Nachbarländern Niederlande, Frankreich oder Deutschland könnten Entspannung bringen und Großverbraucher könnten ihren Energiekonsum dosieren:

„Wenn wir in Zeiten von Knappheit Notgeneratoren hinzuschalten haben wir zusätzliche Stromproduktion. Bis heute wurde nicht oft so gearbeitet, doch diese Aggregate haben die Kapazität eines Kernkraftwerks. Die stehen bei uns herum und werden kaum gebraucht. Ich verstehe nicht, dass jetzt darüber diskutiert wird, in welchen Gebieten wir Strom abschalten können. Doch über die Notgeneratoren wird nicht gesprochen. Lasst uns diese Kapazitäten in unserem derzeit nicht ausreichend funktionierenden Notfallplan aufnehmen.“