Electrabel fängt drohende Stromknappheit auf

Der belgische Energieproduzent und Kernkraftwerksbetreiber Electrabel reagiert auf die Diskussion zu eventuellen Stromausfällen durch Elektrizitätsengpässe nach Ausfällen von Atommeilern. Electrabel steht unter Druck, denn unter den Energie-Großabnehmern in der Industrie machen sich Sorgen breit.

Eigentlich sollte ab September bis zum Jahresende der Atommeiler Tihange 1 im gleichnamigen Kernkraftwerk (Foto) wegen routinemäßigen Unterhaltsarbeiten vom Netz genommen werden, doch Electrabel kündigte jetzt an, die geplante Generalüberholung des Meilers anzupassen, damit dieser für die kalten Wintertage wieder im Einsatz ist.

Die Unterhaltsarbeiten werden in zwei Phasen erfolgen. Zwischen Ende August und Mitte Oktober wird während der ersten Phase eine umfangreiche Kontrolle der Anlage stattfinden und in der zweiten Phase ab Juni 2015 soll dann die langfristig gelten sollende Betriebssicherheit des Meilers gesichert werden. Zwischendurch soll Tihange 1 wieder Strom produzieren.

Ob die durch Sicherheitsprobleme nach Haarrissen in der Reaktorummantelung abgeschalteten Meiler Tihange 2 und Doel 3 wieder ans Netz gehen sollen, will die belgische Atomaufsichtsbehörde FANC Im Herbst entscheiden.

Inzwischen planen die belgischen Behörden für den kommenden Winter eventuelle regional durchgeführte allgemeine Stromabschaltungen bei Energieknappheit. Zu den von eventuellen Stromabschaltungen gehörenden Regionen gehören die Provinz Antwerpen, allerdings ohne die Scheldemetropole an sich und ohne den Hafen, weite Teile der flämischen Provinz Limburg und auch die Deutschsprachige Gemeinschaft im Osten Belgiens.

Industrie

Der Verband der industriellen Energie-Großabnehmer, Febeliec, fordert unterdessen Notfallpläne bei Stromknappheit. Febeliec gab in einer Pressemitteilung bekannt, dass die dem Verband angeschlossenen Unternehmen strukturelle Lösungen und eine vom Staat garantierte Energieversorgung fordern. Die Industrie im Land sei auf eine durchgehende Produktion zu wettbewerbsfähigen Strompreisen angewiesen, hieß es dazu.

Febeliec reagiert damit auf Berichte von Seiten des Nationalen Krisenzentrums, wonach die bisher geplanten Notfallpläne auf Provinz- und Gemeindeebene für „Chaos“ sorgen und wonach Stromabschaltungen einen gewissen „sozio-ökonomischen Impakt“ auf die Gesellschaft haben würden. In der kommenden Woche wollen sich die belgischen Wirtschaftsverbände zu einer Krisensitzung treffen.