Belgischer Trainer in Algerien denkt an Rücktritt

Der Belgier Hugo Broos (großes Foto), Trainer des algerischen Erstligisten JS Kabylie, denkt über einen Rücktritt nach. Bei Fan-Ausschreitungen am gestrigen Samstagabend in Algerien kam einer seiner Spieler, der Kamerun-Profi Albert Ebossé (kleines Foto), ums Leben. Nach der 1:2-Niederlage gegen USM Alger wurde der Stürmer von einem Wurfgeschoss getroffen, das aus Richtung der Tribüne kam. Ebossé erlag kurz darauf im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.

Auf der Tribüne, aus dessen Richtung das Geschoss kam, saßen die eigenen Fans. Sie waren wegen der 1:2-Niederlage ihrer Mannschaft gegen USM Alger sauer und bewarfen die Spieler nach Ablauf des Matchs mit Steinen. Ebossé hatte das einzigeTor seines Vereins erzielt.

Den 24-jährigen Ebossé habe kein kleiner Kieselstein getroffen, erklärt der Trainer des Vereins, in dem Ebossé spielte, gegenüber dem Sportsender der VRT, Sporza.

"Derzeit stehe ich vor der Trauerhalle, in der Ebossé aufgebart ist. Ich bin sehr niedergeschlagen. Niemand versteht, dass eine Niederlage zu so etwas führen kann."

"Wer den Stein geworfen hat, weiß niemand. Und es sieht nicht danach aus, dass wir erfahren werden, wer der Täter ist. Hier in den Stadien gibt es keine Überwachungskameras. Es gibt nur wenig Sicherheitsmaßnahmen."

"Hier herrscht Aggression vor. Das passiert bei allen Vereinen. Das hätte letzte Woche schon passieren können, denn da hat man bei einem unserer Spiele Sitze im Stadion abgebrochen und damit geworfen."

Die Sanktionen und Maßnahmen, die der algerische Fußballbund in der Vergangenheit unternommen hätte, seien absolut unzureichend, so Broos noch. Er hofft, dass sich das jetzt ändern werde.

"Selbst denke ich sehr stark über einen Rücktritt nach. Ich kann das meiner Familie nicht antun. Ich werde bald mit dem Vorsitzenden sprechen. Ich denke, dass ich eine radikale Entscheidung treffen muss."

"Es ist schade, denn ich bin gerade einmal seit zwei Monaten Trainer dieses Vereins. Man kann es kaum glauben, dass ich das alles mitmachen muss."

"Ich war hier allerdings sehr glücklich. Die Beziehung zu den Spielern und zu dem Vorsitzenden ist sehr gut. Die Spieler fallen weinend in meine Arme. Das Arbeiten hier ist schwierig, aber toll. Und jetzt ist das alles vorbei."