"Will Belgien wichtiges Ressort, muss es eine Frau vorschlagen"

Die flämischen Christdemokraten (CD&V) wollen auch weiterhin, dass die Kandidatin aus ihren Reihen, Marianne Thyssen, EU-Kommissarin in der neuen Kommission von Jean-Claude Juncker werde. Juncker selbst hätte gerne mehr Kommissarinnen oder zumindest genauso viele wie unter der bisherigen Kommission Barroso II, die neun Frauen zählte. Spätestens am Donnerstag will Belgien den Namen bekannt geben. Es ist das einzige Land, das noch keinen Kandidaten vorgeschlagen hat.

Zum Auftakt der Versammlung der Parteileitung der CD&V ist man sich einig: Die ehemalige Parteivorsitzende und heutige Europaabgeordnete Marianne Thyssen (kleines Foto) soll neue EU-Kommissarin werden.

Das belgische Mitglied des EP, Ivo Belet (großes Foto), betonte im VRT-Radio: "Ich denke, dass klar ist, dass dies eine einzigartige Möglichkeit für uns ist, um in der EU-Kommission eine der Spitzenrollen übernehmen zu können und ein wichtiges Ressort zu bekommen, und ich denke, diese Chance sollten wir uns nicht entgehen lassen, ja."

Herr Juncker habe gesagt, dass er Frauen in seiner Kommission brauche. Wenn Juncker mit nur fünf oder sechs Frauen vor das Europaparlament trete, bestehe die Gefahr, dass das Parlament diese Kommission ablehnt und dann haben wir eine europäische institutionelle Krise. Und das alles nur wegen einer belgischen Regierungsbildung, pflichtete auch der ehemalige belgische Premierminister Mark Eyskens von der CD&V bei.

Auch viele andere Mitgliedsländer hätten natürlich - wie das Bulgarien, Dänemark, Italien, Schweden, Slowenien und die Tschechische Republik sehr wohl gemacht haben - Frauen vorschlagen können und haben es nicht gemacht.

Regierungsbildner Kris Peeters muss nun zusammen mit seinen flämischen nationalen und französischsprachigen und flämischen liberalen Koalitionspartnern zu einem Vorschlag kommen. Er läßt sich jedoch nicht in die Karten schauen.

Der liberale Koalitionspartner der CD&V, die französischsprachige MR, bleibt unterdessen bei ihrer Meinung, dass die CD&V sich entscheiden müsse zwischen dem Posten des belgischen Premiers und dem Posten eines EU-Kommissars.

Beide liberale Parteien, sowohl auf flämischer als auch auf französischsprachiger Seite wollen den Posten: Karel De Gucht für die flämische Open VLD und Didier Reynders für die französischsprachige MR. Ihre Kandidatur hat nur einen Haken: Es sind eben keine Frauen.

Jeder der 28 Mitgliedstaaten entsendet einen Kommissar/-in in das Kollegium nach Brüssel. Das Kollegium übernimmt für fünf Jahre, also für die Dauer seiner Amtszeit, die politische Führung der Kommission.