"Alle müssen sich anstrengen, um Blackout zu vermeiden"

Zwischen 49 und 116 Stunden Stromausfall für diesen Winter prophezeiht die französischsprachige Zeitung L'Echo in ihrer Ausgabe am heutigen Dienstag für Belgien. Die Zahl hänge davon ab, ob der Winter hart werde oder nicht. Mit drei abgeschalteten Reaktoren und trotz einer Reserve von 850 MW, müsse man mit Blackouts rechnen, heißt es weiter. Das gehe aus dem neuen Bericht hervor, den der Stromnetzbetreiber Elia der Staatssekretärin für Energie, Catherine Fonck, übergab. Für Olivier Deleuze, den Co-Vorsitzenden der französischsprachigen Grünen Ecolo, müsse man die Situation gut in den Griff bekommen, damit Chaos vermieden werden könne.

Alle müssten ihren Teil dazu beitragen. Man müsse "Vereinbarungen mit den Großverbrauchern treffen, damit diese ihren Stromverbrauch in Momenten, in denen sich Probleme hervortun, reduzieren", erklärte Olivier Deleuze (kleines Foto) im öffentlich-rechtlichen französischsprachigen Radio RTBF am Dienstag.

Auch die Bürger müssten sich anstrengen und ihren Verbrauch drosseln, genau wie man das in Dürreperioden mache, wenn man die Leute auffordere, ihren Wasserverbrauch zu begrenzen. "Wenn die Bürger in diesen Momenten auf ihren Stromverbrauch achten, werden wir ohne großes Chaos durch den Winter kommen", so der Grünenpolitiker.

Die Staatssekretärin für Energie, Catherine Fonck, setzt auf ähnliche Maßnahmen: Zunächst müsse der Bürger sensibilisiert werden, zu Spitzenzeiten seinen Stromverbrauch zu reduzieren. Daneben würden Vorkehrungen bei der Beleuchtung von öffentlichen Gebäuden oder auf den Autobahnen getroffen. Zusammen käme man dabei schon auf 1.000 MW. Außerdem gebe es die Marktstörungstarife von 4.500 Euro pro MWh. Das ist 100 Mal teurer als der Normalpreis und soll die Lieferanten dazu bewegen, auf Angebot und Nachfrage der Kunden zu reagieren."

Doch reichen diese Maßnahemn aus?

"Wir brauchen europäische Beobachtungsstelle für atomare Sicherheit"

Eines sei sicher, findet der Grünenpolitiker Olivier Deleuze: "Die Reaktoren hierzulande sind nicht zuverlässig. Die Anfälligkeit dieser Atomkraftwerke ist noch größer als ich 2003 dachte, denn 2003 war man davon ausgegangen, dass sie noch die nächsten 40 Jahre halten würden."

"Die beiden Reaktoren, die vorerst vom Netz genommen wurden, sind noch nicht einmal 40 Jahre alt, sondern 31-32 Jahre." 

"Auf einmal hängen wir von einer anfälligen Technologie ab. Und wenn das aufhört, haben wir große Probleme."

"Es ist Zeit, dass eine europäische Beobachtungsstelle für die atomare Sicherheit eingerichtet wird, denn der belgische Atomsektor ist derart klein, dass man ein wenig ein Arrangement unter Freunden befürchten muss", so Deleuze noch.

Deleuze zufolge sei das Problem in Belgien, dass es hierzulande keine Einigung zwischen den verschiedenen Akteuren der Energiepolitik gebe, "während sich unsere Nachbarn wie Deutschland und Frankreich positioniert haben."

"Wir verwalten dieses Dossier ein wenig wie das der Flugzeuge und das bedeutet Chaos", so der Grünenpolitiker abschließend.