Die Sorgen und Nöte der belgischen Polizei

Die belgische Polizei hat derzeit mit allerlei Problemen zu kämpfen: Durch eine Blockierung von Krediten seitens der Verwaltung fehlt es der Bundespolizei offenbar an Geld, die neue Polizeizentrale in Brüssel weist ein durchlässiges Sicherheitssystem auf und in Gent konnten in nur wenigen Wochen Zeit gleich zwei Untersuchungshäftlinge ausbüchsen.

Belgiens Polizeichefin Catherine De Bolle (kl. Foto) sagte in einem Gespräch mit den Redaktionen der flämischen Tageszeitungen De Standaard und Het Nieuwsblad, dass die verwaltungstechnische Blockierung von Krediten für eine unzureichende Durchführung der gesetzlich verpflichteten Aufgaben der Polizei sorgt. Nach Angaben von General-Kommissarin De Bolle fehlen ihr im laufenden Haushalt 2014 mindestens 22 Mio. €, um z.B. die Gehälter ihrer Beamten bezahlen zu können.

De Bolle machte ihre Berechnungen auf Basis der ersten beiden Monate dieses Jahres und schichte diese Zahlen im Juli ins belgische Bundesinnenministerium. Daraus ist ersichtlich, dass dem Polizeihaushalt, in den 750 Mio. € eingespeist sind, rund 22 Mio. € fehlen. Nach Angaben der Polizeichefin habe man alles Mögliche getan, um auch unter finanziell knappen Bedingungen alle gesetzlich erforderlichen Aufgaben zu erfüllen, doch seit die Verwaltung Kredite blockiere, sei das nicht mehr möglich.

De Bolle machte gegenüber dem zuständigen Innenministerium auch kurzfristig wirksame Lösungsvorschläge, von denen die Polizeigewerkschaften allerdings sicher nichts wissen wollen: Zurückschrauben von Anwerbungen, Einfrieren der Zusammenarbeit zwischen der Bundes- und der Lokalpolizei und eine Einschränkung von zu leistenden Überstunden.

Neues Polizeigebäude in Brüssel mit Smartphone zu hacken

Das Zugangssystem zum neuen Polizeigebäude in Brüssel (Foto), u.a. Sitz der Antiterrorzelle der Bundespolizei, soll so durchlässig „wie ein Sieb“ sein. Nach einer Meldung der flämischen Tageszeitung Het Laatste Nieuws sei der Zugangscode über eine Standard-App eines jeden gängigen Smartphones zu knacken. Die Zugangsbadges sind offenbar leicht zu kopieren. Dazu brauche man lediglich die Codenummer einer solchen Karte und diese Nummern sind auf dem im April 2014 bezogenen Neubau aufgedruckt… Zudem können die erforderlichen Codes mit fast jedem Smartphone registriert werden, so ein besorgter Polizeisprecher. Derzeit sucht die Polizei gemeinsam mit der Sicherheitsfirma, die das System lieferte, nach einer geeigneten Lösung.

U-Häftlinge entkommen aus Polizeigebäude

In diesem Sommer ist gleich zwei Verdächtigen gelungen, aus dem Zellenkomplex des Polizeigebäudes von Gent in Ekkergem zu fliehen. Ende Juli konnte eine in Untersuchungshaft sitzende Frau aus dem Gebäude fliehen, als sich ihr die Gelegenheit anlässlich eines Toilettenbesuchs dazu bot und am vergangenen Freitag folgte ein Verdächtiger seinem Anwalt durch die Zwischentüre zwischen dem Besuchsraum und dem Innenhof. Der Anwalt hatte noch versucht, seinen Klienten zurückzuhalten, doch dieser entkam über den Hof durch das offen stehende Tor des Genter Polizeigebäudes. Dieses Gebäude ist nach Angaben eines Polizeisprechers bereits sehr alt und strukturelle Anpassungen des Sicherheitssystems sind kostspielig. Die Flucht der beiden Untersuchungshäftlinge allerdings war nur von kurzer Dauer, denn sie konnten schnell wieder eingefangen werden.