Hochspannung: Bald Off- Shore-Strom für Brügge?

Die Stadt Brügge und der belgische Stromnetz-Betreiber Elia haben ihren Streit um eine Hochspannungsleitung zwischen dem Hafen von Zeebrügge und der Ortschaft Maldegem beigelegt. Das bedeutet, dass Brügge auf absehbare Zeit Strom von Off-Shore-Anlagen in der Nordsee beziehen kann.

Strom-Netzwerk-Betreiber Elia plant schon seit geraumer Zeit eine Hochspannungsleistung zwischen Zeebrügge und Maldegem, um das Inland mit Energie aus der Nordsee bzw. aus Großbritannien versorgen zu können. Bestehende Linien sollen angepasst und modernisiert werden, doch es soll auch eine neue Hochspannungslinie angelegt werden, um die Stromversorgung aus der Nordsee bzw. von den britischen Inseln her garantieren zu können. Die Offshore-Anlagen in der Nordsee - die Projekte Stevin und Nemo - werden somit Teil des Konzepts.

Die flämische Landesregierung hatte bereits entsprechende Anpassungen an die Raumordnung vorgenommen, doch zunächst stieß das Elia-Anliegen auf Bedenken von Seiten der Stadt Brügge, des Gemeinderats von Maldegem und von einigen Bürgerinitiativen.

Doch jetzt sieht Brügge von einer Klage beim Staatsrat in Brüssel ab und weist Elia für den Anschluss an das Nemo-Projekt ein Grundstück für den Bau einer Hochspannungsstation in Herdersberg zu, das etwas weiter vom Bahnhofsviertel entfernt ist. Die Stevin-Anlage kann in Maldegem bleiben, muss aber deutlich im geplanten Rahmen bleiben. Elia reagierte und gab an, als Kompensation neue Grünanlagen einzurichten, u.a. in der Region Brügge und am Hafen von Zeebrügge. Die neuen Anlagen sollen zudem besser in die Landschaften oder ins Stadtbild integriert werden.

Neues zur Stromknappheit

Stromnetzwerk-Betreiber Elia gehört übrigens zu den Energiepartnern, die vor Stromknappheit im kommenden Winter warnen, weil derzeit bei weitem nicht alle Atommeiler in den belgischen Kernkraftwerken in Betrieb sind. Elia geht von regionalen Stromabschaltungen von 49 bis 116 Stunden in den Wintermonaten aus.

Diese Werte will Catherine Fonck (CDH - Foto), Staatssekretärin für Energie der scheidenden belgischen Bundesregierung nicht bestätigen. Fonck ist der Ansicht, dass Elia hier vorschnellt und nicht alle Elemente der Berechnungen berücksichtigt. Zudem soll der Reaktor Doel 4 im Januar 2015 wieder hochgefahren werden. Derweil bietet der Energielieferant Lampiris seinen Kunden aber auch Strombezieher anderer Lieferanten einen SMS-Dienst an, der auf drohende bzw. kommende Abschaltungen von Elektrizität hinweisen soll.