Bahn und Infrastruktur unter einem Dach

Die belgische Bahngesellschaft NMBS/SNCB und der Bahn-Infrastrukturbetreiber Infrabel haben gemeinsam eine Plattform gegründet: Das Railway Operations Center (ROC). Damit sind beide Bereiche seit der Bahnreform 2005 wieder unter einem Dach vereint. Ziel dieser „Wiedervereinigung“ ist in erster Linie eine bessere Kommunikation mit den Reisenden, aber auch ein allgemein besseres Funktionieren der belgischen Eisenbahn.

Das Railway Operations Center (ROC) ist eine technisch hypermoderne Plattform mit Sitz am Brüsseler Bahnhof Süd/Midi, dem Nervenzentrum des Personenverkehrs der belgischen Bahn. Hier arbeiten in Zukunft 30 Mitarbeiter des Fahrgastdienstes „Reizigers Dispatching Voyageurs (RDV)“ der NMBS/SNCB und 25 ihrer Kollegen von „Traffic Control“ von Infrabel eng zusammen.

Die belgische Bahnholding hatte Infrabel im Zuge der Bahnreform nach der von Europa verlangten Liberalisierung des Schienenverkehrs ins Leben gerufen. Damals wurde verlangt, den Schienen- bzw. den Personenverkehr strikt von der Infrastruktur zu trennen, was sich in der Praxis bis heute als negativ erwiesen hat. Zeitweise agierten Bahn und Infrabel regelrecht gegeneinander, natürlich alles zu Lasten der Bahnkunden (Fahrgäste und Frachtkunden).

Mit dem Railway Operations Center wurde dieser Schritt zurückgenommen und jetzt erhofft sich die Bahn, eine bessere Kommunikation, besonders dann, wenn Probleme, Unfälle, technische Störungen oder Zugausfälle vorliegen. Beide Bereiche – Fahrgastdienst und Infrastruktur, sind in solchen Fällen gleichzeitig am Zuge und können somit schneller und gemeinsam reagieren, wie man sich erhofft. Nicht zuletzt profitiert auch die Sicherheit im Schienenverkehr von einer solchen einheitlichen Struktur.

Reaktion des Fahrgastverbands

Der belgische Fahrgast- und Pendlerverband ZugTramBus (TTB) ist der Ansicht, dass dieser Schritt schon lange überfällig war und hofft, dass die Fusion der beiden Dispatcher von Bahn und Infrastruktur den Bahnreisenden zum Vorteil gereicht.

Jan Vanseveren von TTB sagte dazu: „Wenn ein Fahrgast einen Schaffner um Informationen zu seien Anschlüssen bat, musste dieser erst einmal drei bis vier Anrufe tätigen. Jetzt sind dies höchstens noch zwei Anrufe. Das bedeutet, dass die Information schneller beim Fahrgast sein wird und die Fehlerquote nimmt ab.“

TTB stellt fest, dass die Pünktlichkeit der Züge in letzter Zeit besser geworden ist: „Mit solchen Maßnahmen hoffen wir, dass sich alles zum Besseren wenden wird.“