Marianne Thyssen wird EU-Kommissarin

Nach einer Nacht Verhandlungen schlagen die vier Parteien, die derzeit versuchen, eine neue belgische Bundesregierung zu bilden, die flämische Christdemokratin Marianne Thyssen (CD&V) für ein Amt als EU-Kommissarin vor. Das könnte bedeuten, dass ein liberaler Politiker neuer Premierminister in Belgien wird.
Jonas Roosens

Vertreter der vier Mitte-Rechts-Parteien, die derzeit Koalitionsgespräche zur Bildung einer neuen belgischen Regierung führen, haben sich in der Nacht zum Donnerstag auf eine Kandidatin für das Amt des EU-Kommissars aus unserem Land geeinigt. Die MR als einzige frankophone Partei und die flämischen Parteien CD&V (Christdemokraten), N-VA (Nationaldemokraten) und Open VLD (Liberale) schlagen die flämische Christdemokratin und langjährige EU-Abgeordnete Marianne Thyssen (58) für ein solches Amt vor.

Sie ist die Wunschkandidatin des neuen EU-Kommissionsvorsitzenden Jean-Claude Juncker. Damit wird Belgiens scheidender Außenminister, der frankophone Liberale Didier Reynders (MR), der ebenfalls zur Diskussion stand, nicht nach Europa „umziehen“.

Für die Zusammenstellung der neuen belgischen Bundesregierung spielt die Wahl einer Person aus den Reihen der CD&V für dieses wichtige europäische Amt eine große Rolle, denn damit wird diese Partei kein zweites „hochrangiges“ Amt zugewiesen bekommen - sprich: Der ehemalige flämische Ministerpräsident Kris Peeters muss wohl auf seine Ambition, Belgiens neuer Premier zu werden, verzichten. Das bedeutet, dass dieses Amt wohl an einen Liberalen gehen wird, der entweder aus den Reihen der frankophonen MR oder der flämischen Open VLD kommen wird.

Marianne Thyssen

Marianne Thyssen ist die Tochter eines Bäckers und studierte Jura an der Katholischen Universität Löwen (KUL). Kurz nach ihren Studium begann sie für die damalige christliche Mittelstandvereinigung NVMV (die heutige Unizo) zu arbeiten. Hier stieg sie im Laufe ihrer Karriere zur Direktorin auf.

In diesem Amt stellte sie später Kris Peeters ein. Von dort aus zog es Marianne Thyssen in die Politik. Bei den damals noch CVP genannten flämischen Christdemokraten arbeitete sie eine Zeit lang im Kabinett der Staatssekretärin für Volksgesundheit, Vivina Demeester.

Schon 1991 schlägt Marianne Thyssen, damals erst 35 Jahre alt, den Weg in Richtung Europa ein. Im Europaparlament spezialisiert sie sich auf wirtschaftliche oder monetäre Themen. Innerhalb ihrer Partei, die jetzt CD&V heißt, genießt sie ein hohes Ansehen und auch darüber hinaus weiß man in Belgien die Arbeit flämischen EU-Abgeordneten zu schätzen. 2008 wird sie die erste Frau an der Spitze ihrer Partei CD&V.

Doch bei den allgemeinen Wahlen 2010 erweist sich die CD&V als Wahlverliererin und Thyssen tritt zurück. Sie richtet ihr Augenmerk wieder in Richtung EU wo sie ihre Erfahrungen weiter einbringt und dadurch auch dort weiter an Ansehen gewinnt.