Kirche: Bischof Bonny stellt vieles in Frage

Johan Bonny, der Bischof von Antwerpen, hat in einem offenen Brief an die katholische Kirche im Vatikan und darüber hinaus für Aufsehen gesorgt. Bonny stellt vieles in Frage, z.B. die Haltung der Kirche gegenüber Homosexuellen, künstlicher Befruchtung oder geschiedenen Gläubigen.

Bischof Bonny ist der Ansicht, dass die katholische Kirche in ihren Formulierungen viele Menschen ungerecht behandelt. Statt Homosexuelle, geschiedene Paare, Kinder aus künstlicher Befruchtung oder unverheiratet zusammenlebende Jugendliche auszuschließen, sollte die Kirche „auch diese Menschen in die Arme schließen.“ Der Antwerpener Bischof geht davon aus, dass er aus der Seele vieler Belgier spricht, denn die von ihm angesprochenen Themen sind in unserem Land schon lange in der Diskussion.

Die Realität der Welt sei heute eine andere als die, in der die katholische Kirche ihre Formulierungen verfasste und das „bipolare Denken“ der Kirche zeige zu wenig Respekt für die Lebensgeschichte vieler Menschen in der heutigen Zeit. Bonny führt in seinem offenen Brief einige Beispiele an, wie weiter gehen, als die Haltung der Kirche gegenüber z.B. Homosexuellen.

Er ist u.a. der Ansicht, dass geschiedenen Gläubigen die Eucharistie nicht verwehrt werden sollte und das unfruchtbare Frauen durchaus Kinder über künstliche Befruchtung bekommen sollten. Für Bonny ist selbstverständlich, dass die Kirche diese Kinder auch in ihre Gemeinschaft aufnehmen sollte.

Zwar ist auch der Antwerpener Bischof der Ansicht, dass Eheschließungen von Homosexuellen oder dass das unverheiratete aber eheähnliche Zusammenleben von Jugendlichen „keine normale Lebenssituation“ sei, doch er glaubt, dass die Kirche diese Bereiche der Gesellschaft nicht ignorieren oder gar verurteilen solle. Bonny fordert in seinem Schreiben, dass diese und andere Lebenssituationen von Seiten der Kirche differenzierter betrachtet werden sollten.

Bischofssynode

Dieser offene Brief wird sicher für Gesprächsstoff sorgen, denn nicht zuletzt findet in knapp einem Monat in Rom die Bischofssynode statt. Der Antwerpener Bischof entspricht mit seinen Ausführungen auch den Ansichten des deutschen Kardinals Walter Kasper - ein guter Freund von Papst Franziskus. Der in vier Sprachen, darunter auch Deutsch (bitte hier klicken) unter dem Titel "Synode über die Familie" veröffentliche Brief Bonnys wird auch dem geistlichen Oberhaupt der Katholiken im Vatikan vorgelegt.