"Regional unausgewogene Stromabschaltungen"

Ein Professor der Lütticher Universität ist der Ansicht, dass der Notfallplan bei Stromknappheit regional nicht ausgeglichen ist. Sollte im kommenden Winter aus Gründen von Kapazitätsengpässen örtlich der Strom abgeschaltet werden, ist die Wallonie häufiger betroffen, als Flandern.

Damien Ernst ist Professor für Elektrotechnik an der Universität Lüttich (ULg). Er ist der Ansicht, dass die Kommunen, die von Stromabschaltungen bei Energieknappheit betroffen sein könnten, regional nicht ausgewogen ausgesucht wurden. 72 % der zur zeitweisen Stromabschaltung vorgesehenen Schaltkabinen würden aus wallonischem Territorium liegen und nur 38 % davon lägen in Flandern. Diese Unausgewogenheit müsse behoben werden, so der Uniprofessor gegenüber der frankophonen Tageszeitung Le Soir.

Ernst errechnete auch, dass in Wallonien zwei Mal weniger Strom verbraucht werde, als in Flandern: „Die Wallonie zahl einen doppelt so hohen Preis als Flandern. Die ‚Black-Outs‘ finden vielleicht kontrolliert statt, doch sie haben einen Einfluss auf den Wohlstand.“ Der Uniprofessor weist überdies darauf hin, dass nicht der frankophone Landesteil Belgiens Probleme mit der Stromversorgung habe, sondern das Bundesland Flandern.

Ernst vermutet, dass dies ein zwischengemeinschaftliches Problem sei, denn der belgische Stromnetzbetreiber Elia sei ein flämisches Unternehmen. Er appelliert an die Verantwortlichen, ihre Pläne transparent zu gestalten. Würden sich verdächtige Einflussnahmen herausstellen, müssten diese zurechtgerückt werden.“

„Abschaltplan technisch, nicht regional-politisch bedingt“

Netzwerkbetreiber Elia will den Vorwurf, als flämisches Unternehmen das eigene Bundesland im Abschaltplan bevorzugt zu haben, nicht auf sich sitzen lassen. Der Plan habe lediglich technische aber keine regional bedingte Gründe, hieß es dazu.

Man wolle aber eine gute geografische Verteilung im Auge behalten. Nach den Anmerkungen des Lütticher Uniprofessors Damien Ernst hatte sogar die für Energiefragen zuständige Staatssekretärin der scheidenden belgischen Bundesregierung, Catherine Fonck (CDH), bei Elia um eine Auskunft gebeten.

"Schafft die Winterzeit ab!"

Energiefachmann Alex Polfliet wartet mit einer seiner Ansicht nach genialen Idee auf, um Stromabschaltungen bei Energieengpässen im kommenden Winter gar nicht erst auftreten zu lassen. Gegenüber der flämischen Tageszeitung De Morgen riet Polfliet dazu, ganz einfach die Winterzeit abzuschaffen. Damit würde sich die Zeit des energiemäßigen Spitzenverbrauchs in Belgien verlegen und eine Stunde früher stattfinden, als in den Nachbarländern Frankreich und Niederlande. Dies wiederum mache möglich, eventuelle Reserven aus diesen Ländern einfacher zu importieren… Die Spitzenbelastung im belgischen Stromnetz liegt in der Zeit zwischen 18 und 19 Uhr.

Durch den Ausfall von einigen Atommeilern in den belgischen Kernkraftwerken und der Tatsache, dass zu wenig Alternativen zur Stromversorgung in Belgien vorgesehen sind (Windkraft, Sonnenenergie, Wasserkraft…), werden für den kommenden Winter Elektrizitätsengpässe befürchtet. Deshalb wurde ein Notfallplan mit regionalen oder lokalen kurzzeitigen Stromabschaltungen ausgearbeitet. Inzwischen kommen immer mehr Vorschläge zu Beseitigung dieses Problems. Einige wollen sogar neue Atomkraftwerke bauen. Dies obschon solche Kraftwerke heute so teuer sind, dass jede Kilowattstunde Strom hoch bezuschusst werden müssten.

A2012