Fluglärm in Brüssel: Wathelets Plan auf Eis

Die Parteien der designierten Mitte-Rechts-Regierung in Belgien haben sich bei ihren Koalitionsverhandlungen einmal mehr über das Thema Fluglärm in Brüssel gebeugt. Dabei verabredeten sie, den Flugroutenplan des früheren Staatssekretärs für Verkehr, Melchior Wathelet (CDH) auf Eis zu legen.

Die Verhandlungspartner von N-VA, CD&V, Open VLD und MR wollen am Anfang ihrer Regierungsperiode die belgische Flugsicherung Belgocontrol anweisen, zum alten Flugroutenplan für die Starts und Landungen über Brüssel zurückzukehren und den vor den Parlamentswahlen im Mai dieses Jahres eingeführten Plan des ehemaligen Verkehrs-Staatssekretärs Wathelet auszusetzen.

Das bedeutet, dass die Flugbewegungen am Brüsseler Nationalflughafen wieder so ausgeführt werden sollen, wie dies vor dem 6. Februar 2014 der Fall war. Seit diesem Stichtag gelten neue Flugrouten, die den Fluglärm für die Anwohner am Nord- und Ostrand Brüssels mindern sollen. In einigen Gemeinden der Hauptstadt hatte sich jedoch heftiger Widerstand formiert, weil dort deutlich mehr Fluglärm zu spüren war. I

m Wahlkampf drohte der neue Flugplan Wathelets zum Albtraum seiner Partei, der frankophonen Zentrumspartei CDH zu werden. Wathelet verlängerte in einer vorschnellen Reaktion die Nachtruhe am Brüsseler Flughafen um zwei Stunden. Diesen Sommer annullierte dann das erstinstanzliche Brüsseler Gericht zwei Flugrouten über der Hauptstadt: Die „Linkskurve“ über die Brüsseler Gemeinden Etterbeek und Ouderghem und die sogenannte „Kanalroute“ über dem Zentrum.

Die designierte belgische Bundesregierung wird laut Entwurf des Koalitionsabkommens in zweiter Lesung den gesamten Vorgang gründlich aufrollen, um zu versuchen, eine dauerhafte Lösung zu finden, mit der die Brüsseler und die Bewohner der umliegenden Provinzen Flämisch- und Wallonisch-Brabant leben können. Inzwischen begrüßten bereits einige Bürgerinitiativen gegen den Fluglärm das Moratorium des Wathelet-Plans durch die designierte Mitte-Rechts-Regierung.