Premier? De Block in der Wählergunst ganz oben

Wenn es nach dem Willen der Wähler in Belgien geht, dann darf die bisherige Staatssekretärin für Asyl und Einwanderung, Maggie De Block (Open VLD - Foto) das Amt des Premierministers übernehmen. Nach dem jüngsten Politbarometer der RTBF steht die flämische Liberale in der Wählergunst ganz oben.

Der frankophone öffentlich-rechtliche Rundfunk RTBF präsentierte am Freitag die Resultate seines jüngsten Politbarometers. Bei der Sonntagsfrage gab es gegenüber vergangener Umfragen kaum signifikante Veränderungen, doch in der Frage, wer denn Belgiens nächster Premierminister werden soll, kristallisiert sich eine Frau heraus: Maggie De Block, die Staatssekretärin für Asyl und Einwanderung der scheidenden belgischen Bundesregierung.

Nach dem die flämische Christdemokratin Marianne Thyssen (CD&V - Foto) Belgiens Vertreterin in der neuen EU-Kommission ist - sie übernimmt das Amt des EU-Kommissars für Arbeit und Soziales, war klar, dass die flämischen Christdemokraten nicht auch noch den belgischen Premierminister „bekommen“.

Die vier Parteien der designierten Mitte-Rechts-Regierung aus den flämischen Nationaldemokraten N-VA, der CD&V und der liberalen Familie Open VLD aus Flandern und MR aus dem frankophonen Spektrum, sind sich damit wohl einig, dass ein liberaler Politiker für das Amt des belgischen Regierungschefs am Zuge ist. Doch wer kann das werden? Und ist vielleicht mal eine Frau dran?

Nach dem jüngsten RTBF-Politbarometer steht Maggie De Block in dieser Frage in der Wählergunst in allen Landesteilen Belgiens auf Platz 1: In Flandern halten 25 % der Befragten die flämische Medizinerin als geeignet für dieses Amt. In der Region Brüssel-Hauptstadt geben der Open VLD-Politikerin 23 % der Wähler den Vorzug und in Wallonien hat sie sogar 27 % Zustimmung.

Weitere Kandidaten

Nach Maggie De Block wären noch Flanderns Ex-Ministerpräsident und Co-Regierungsbildner Kris Peeters im Rennen, doch, wie gesagt, die CD&V wird das Amt nicht bekleiden dürfen.

Viele sehen auch Bart De Wever (Foto), den Vorsitzenden der N-VA - nicht zuletzt Flanderns stärkste Partei - im Amt des belgischen Premiers, doch der flämische Nationalist gab bereits im Wahlkampf zu verstehen, dass er keine Ambitionen hat, gerade dieses Amt zu übernehmen. Bei den frankophonen Liberalen MR werden zwei Namen genannt: Belgiens scheidender Außenminister Didier Reynders, der gerne EU-Kommissar geworden wäre, und der Parteivorsitzende und Co-Regierungsbildner Charles Michel.

Doch letzterer ist in der Gunst der frankophonen Wähler durchgefallen. Ihm wird dort übel genommen, dass er mit seiner MR als einziger frankophoner Partei in die Koalitionsverhandlungen mit drei flämischen Partnern getreten ist. Nicht zuletzt nannte Belgiens scheidender Premierminister, der frankophone Sozialist Elio Di Rupo (PS) die MR eine „Marionette der Flamen“.