Russland-Boykott: Obst geht in die USA

Die scheidende EU-Kommission brachte den europäischen Obstbauern, die durch das russische Einfuhrverbot betroffen sind, eine gute Nachricht: Sie werden in Zukunft bevorzugt behandelt, wenn sie ihre Äpfel und Birnen in die USA exportieren. Flanderns Birnenzüchter, die von dem Boykott besonders betroffen sind, reagieren vorsichtig positiv.
Nicolas Maeterlinck

Als Reaktion auf den russischen Boykott sind die USA bereit, ihren Obstmarkt für europäische, folglich auch für die flämischen Produkte zu öffnen. Die bisher schwierigen und langatmigen Prozeduren, um eine Einfuhrgenehmigung für die Vereinigten Staaten zu erhalten, werden jetzt verkürzt. Das haben Vertreter beider Seiten in Washington vereinbart.

Der aus Belgien kommende Noch-EU-Handelskommissar Karel De Gucht (kl. Foto) erklärte bei seiner Rückkehr aus Washington, dass solche Exporte in diesem Jahr wohl noch nicht möglich sein. Für die kommende Ernte jedoch soll alles vorbereitet werden. Das Versprechen Belgiens und der EU, neue Ansatzmärkte nach dem Wegfall Russlands als Stammkunden, sei also eingehalten worden.

De Gucht sagte gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion, dass er erreicht haben was er den belgischen Obstbauern versprochen habe: „Gemeinsam mit meinem amerikanischen Kollegen haben wir auf Papier vereinbart, alles zu tun, um die Prozeduren zu beschleunigen. Teil dieser Prozedur ist, dass die Kontrollen der Ware schon in Belgien staatfinden werden. Es besteht also berechtigte Hoffnung darauf, dass wir in der nächsten Saison Äpfel und Birnen tatsächlich in die USA ausführen können.“

Obstbauern-Verband vorsichtig optimistisch

Die vom russischen Importverbot schwer getroffenen Obstbauern im belgischen Bundesland Flandern, vor allem die Apfel- und Birnenbauern in den Provinzen Flämisch-Brabant und Limburg, bewerten den Ansatz von EU und USA vorsichtig positiv. Man habe entsprechende Anträge an die Vereinigten Staaten bereits vor sechs Jahren eingereicht, sei aber von den amerikanischen Behörden immer wieder hingehalten worden.

Philippe Appeltans vom Verband der belgischen Obstbauern sagte dazu, dass sein Verband daran arbeiten werden rasch allen erforderlichen Bedingungen entsprechen zu können.“ Trotzdem haben sich die flämischen Obstbauern dazu entschlossen, einen kleinen Teil der Birnenernte - etwa 830 ha Land, bzw rund 10 % der Ernte - nicht zu ernten und als Fallobst am Boden zu lassen. Dafür werden sie Kompensationen erhalten.