Sexualverbrecher bekommt Euthanasie

Ein Mann, der schon seit 30 Jahren in Einzelhaft sitzt und um Euthanasie gebeten hat, darf jetzt in ein Krankenhaus überwiesen werden, in dem Sterbehilfe erfolgen kann. Der Mann sitzt wegen Mordes und sexueller Straftaten in Haft. Normalerweise hätte er eine Behandlung in einer Spezialeinrichtung bekommen müssen, aber er saß all die Jahre in einem gewöhnlichen Gefängnis.

Vor drei Jahren hatte der Mann Euthanasie beantragt. Als Grund nannte er unerträgliche psychische Qualen. Da er nicht mit einer Besserung seines Leids rechne, wolle er lieber sterben, sagte der Mann letztes Jahr in einer Reportage unseres Senders VRT. Es war das erste Mal, dass ein Häftling aus diesen Gründen um Euthanasie bat. Der Antrag ist also sehr heikel. 

Der Anwalt des Mannes, Jos Van der Velpen, erklärte am Sonntagabend: "Es handelt sich um psychische Qualen, die man natürlich nicht einfach so messen kann. In den letzten Jahren haben sich jedoch zahlreiche Ärzte und Psychiater damit befasst, aber sein Leid ist unerträglich. Er hat diese Wahl deshalb nach eingehender Überlegung getroffen. Es gibt keine andere Möglichkeit, um ihm sein Leid erträglicher zu machen."

Ein Gericht hat inzwischen entschieden, dass der Mann 48 Stunden vor der Euthanasie vom Gefängnis in ein Krankenhaus gebracht werden darf. Der Berufungsrichter muss dieses Urteil am heutigen Montag allerdings noch bekräftigen.

Der 50-jährige Mann wird damit der erste in Belgien sein, der Euthanasie bekommt, ohne dass er eine unheilbare Krankheit hat. Derzeit sitzt er in einem Gefängnis in Turnhout (Provinz Antwerpen).