"Bester Vorsitzender, den die Kommission nie hatte"

Der scheidende EU-Ratsvorsitzende Herman Van Rompuy nannte den ehemaligen belgischen Premierminister und eifrigen Europapolitiker Jean-Luc Dehaene (Foto) „den besten Vorsitzenden, den die EU-Kommission nie hatte.“ Van Rompuy huldigte seinem verstorbenen Gesinnungsgenossen bei der Einweihung eines Saals, der dessen Namen trägt.

Belgiens Ex-Premier Jean-Luc Dehaene, der Mitte Mai dieses Jahres plötzlich und unerwartet verstorben war, bleibt in Kreisen der christlich-sozialen Parteien in Belgien und Europa auch nach seinem Tod eine prägende Gestalt.

Dies unterstrich dessen CD&V-Parteifreund und scheidender EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy am Mittwoch noch einmal, als er seinem politischen Vorbild anlässlich der Einweihung eines Saals bei der Madariaga-Stiftung (Madariaga - College of Europe Foundation) in Brüssel, der dessen Namen trägt.

Van Rompuy sagte, dass er bereits vor 40 Jahren von der Intelligenz und von den politischen Qualitäten seines christdemokratischen Parteifreundes fasziniert gewesen sei. Van Rompuy hält Dehaene bis heute für den „wichtigsten belgischen Premierminister seit Gaston Eysekens“.

Dehaene habe als Vize-Vorsitzender des Europa-Konvents seine Art und Weise, den EU-Ratsvorsitz auszufüllen, stets in Interviews gelobt, so Van Rompuy. Dehaenes SMS, nach dem Van Rompuy in Aachen den Karlspreis erhalten hatte, lautete „doppelt und dreifach verdient“. Dies habe ihn, Van Rompuy, mit Stolz erfüllt, weil diese SMS auch und gerade von Jean-Luc Dehaene kam.

"Belgien ist ein Land von mentalen Minderheiten"

Auch nach seinem Tod sorgt Jean-Luc Dehaene ab und zu noch für Schlagzeilen. Kurz vor seinem Tod hatte der flämische Christdemokrat der französischen Zeitschrift für geopolitische Fragen, „Outre-Terre“, ein Interview gewährt - wohl sein letztes Pressegespräch. Die aktuelle Ausgabe von „Outre-Terre“ befasst sich auf rund 400 Seiten mit Belgien und bringt eben dieses Gespräch mit Dehaene.

Dieser geht darin auf die heutige Gesellschaft in Belgien ein und stellt fest: „Jeder, sowohl die Flamen, als auch die Wallonen, fühlen sich in der Minderheit.“ Flandern habe diesem Minderheitskomplex eine wirtschaftliche Wendung gegenübergestellt, doch heute sei Belgien ein Land mit geschiedenen Parteien, Medien und öffentlichen Meinungen, was durch den „populistischen“ politische Diskurs verstärkt werde. Und doch geht Dehaene nicht davon aus, dass sich Belgien in absehbarer Zeit auflösen werde.