De Gucht: "Dachte das Ergebnis in Schottland würde knapper"

Jetzt ist es offiziell: Die Schotten haben in einem Referendum Nein zur Unabhängigkeit von Großbritannien gesagt. Die Nein-Stimmen lagen am Freitagmorgen bei 55 Prozent, die Ja-Stimmen holten 45 Prozent.

Der ehemalige belgische Außenminister und scheidende EU-Kommissar für Handel, Karel De Gucht, sagte am Freitagmorgen im VRT-Radio hierzu: "Ich hatte mit einem knapperen Ergebnis gerechnet. Warum? Aus allen Meinungsumfragen ist hervorgegangen, dass die Zahl der Separatisten ansich zwar nicht massiv zugenommen hat, aber dass doch diejenigen, die die Unabhängigkeit anstreben, dass sich ihnen jede Menge andere Gruppen wegen Unzufriedenheit und der Wirtschaftskrise usw. anschließen würden. Das alles spielt ja eine Rolle."

Signal an Europa

Die Lektion, die man aus dem Referendum zur Unabhängigkeit zumindest ziehen könne, so De Gucht weiter, sei, dass der Prozess der Unabhängigkeit jahrelang genährt werde und wenn das gute Politiker seien, also solche, die daraus ihr Lebenswerk machten,dass man dann auch etwas erreichen könne. Dass das früher oder später nie und nirgends in Europa passieren werde, daran habe er doch seine Zweifel, betonte De Gucht noch.

Der schottische Ministerpräsident Alex Salmond hat inzwischen seine Niederlage eingestanden. Er findet jedoch, dass London die große Zahl der Ja-Stimmen berücksichtigen sollte. 

Der britische Premierminister David Cameron gratulierte den Schotten zu ihrer mehrheitlichen Ablehnung einer Unabhängigkeit. Gleichzeitig sagte er am Freitagmorgen, dass man den Willen der Schotten gehört habe. Er versprach jedenfalls schon einmal allen vier Teilen des Vereinigten Königreichs mehr Autonomie.