Wahlverhalten: Die Treue zur Partei verschwindet

Fast die Hälfte aller Wähler im belgischen Bundesland Flandern haben bei den Wahlen im Mai dieses Jahres, als in Belgien neben den Europawahlen sowohl Landtags- und Regionalwahlen, als auch Föderalwahlen stattfanden, für eine andere Partei gestimmt, als beim Urnengang 2010. Eine entsprechende Studie der Universität Löwen stellt fest, dass sich das Wahlverhalten deutlich verändert hat.

Ruth Dassonnneville von der Löwener Universitär (KU Leuven) verglich die Wahlresultate der Wahlen für das neue flämische Landesparlament im Mai dieses Jahres mit dem Wahlverhalten der Stimmberechtigten an sich. Dabei stellte sie fest, dass die Wähler, die eine andere Partei als 2010 wählten, den jeweiligen Parteien aber weniger Stimmen kosteten, denn der Zustrom von neuen Stimmen kompensierte Verluste oder glich Verschiebungen eher aus.

Auf ideologischer Ebene allerdings waren die Verschiebungen nicht so groß, wie Ruth Dassonneville feststellte. Das bedeutet, dass linke Wähler weiter linke Parteien wählten und auf rechter Seite blieb das ebenso. Verschiebungen gab es also innerhalb der Blöcke von Partei zu Partei: „Auf rechter Seite sehen wir, dass die N-VA die treuesten Wähler hat. Diese Partei behielt 72,8 % der Wähler von 2010. Überdies gelang es ihnen, Wähler aus so ziemlich allen rechten Parteien oder denen rechts von der Mitte anzuziehen.“

Die Löwener Wissenschaftlerin bestätigte mit ihrer Studie, dass die flämischen Nationaldemokraten der N-VA die rechtsradikale Partei Vlaams Belang regelrecht leergesaugt haben. 44,4 % der Vlaams Belang-Wähler stimmten im Mai für die N-VA, doch auch die liberale Open VLD und die christdemokratische CD&V verloren potentielle Wähler an die N-VA.

Die flämischen Christdemokraten der CD&V haben einen recht links denkenden Arbeiterstamm in ihren Reihen. Von dieser Seite her gingen nur sehr wenige Stimmen zur N-VA aber auch einige in Richtung der flämischen Sozialisten SP.A. Zwischen der SP.A und den flämischen Grünen von Groen gab es allerdings deutliche Wählerwanderungen und laut KU Leuven liefen den Sozialisten auch potentielle Wähler in Richtung linksextreme PVDA weg, doch „nur wenige linke Wähler wagten den Sprung nach rechts.“

Auswirkungen auf die Regierungsarbeit?

Ruth Dassonneville geht aufgrund ihrer Studienergebnisse bezüglich des Wahlverhaltens in Flandern davon aus, dass die Tendenz hin zu den Wechselwählern nicht mehr zu stoppen ist: „Gut die Hälfte der Wähler kann bei den nächsten Wahlen wieder für eine andere Partei stimmen, als dieses Mal.“

Doch sorgt dieses Phänomen langfristig für Probleme auf Regierungsebene: „Das macht es schwierig für die Parteien, auf lange Sicht hin zu regieren und auf lange Sicht hin zu denken. Die Parteien müssen sich sehr stark auf ihre Basis besinnen. Kleine Details können dafür sorgen, dass ein Wähler seiner Partei weiter treu bleibt oder auch nicht. Damit wird auch der Wahlkampf und werden auch die Spitzenkandidaten wichtiger. Alle Slogans müssen genau abgewogen werden und alles wird nur noch sehr schlecht vorhersehbar sein.“