Brüssel: Die Verhaftung von Bgm. Adolphe Max

Seit dem 20. August 1914 war die belgische Hauptstadt Brüssel eine besetzte Stadt. Nach kurzem Kampf ohne wesentlichen Widerstand fällt Brüssel an diesem Tag. Regierung, Parlament und die Königliche Familie hatten sich längst abgesetzt und versuchten, aus der Ferne das Land zu steuern. Brüssel musste sich den Deutschen unterordnen. Nicht alle aber wollten sich fügen. Bürgermeister Adolphe Max (Foto) weigert sich, unter deutscher Führung sein Amt auszuüben.

Am 20. August gegen 8 Uhr am Morgen fällt Brüssel. Deutsche Ulanen erreichen die belgische Hauptstadt von Löwen aus - die Universitätsstadt war ebenfalls gerade gefallen - über den Leuvensesteenweg. Ihnen folgten endlose Reihen von deutschen Soldaten mit ihrem Kriegsgerät - Kanonen, Lastwagen und Gespannen, Pferden und Nachschub.

Die Besatzer sind in bester Stimmung, zeigen sich in glänzender Uniform, nehmen Paradestellung ein und zeigen, wer der Herr im Hause, bzw. in der belgischen Hauptstadt ist, nämlich das Deutsche Kaiserreich. Die 1. Deutsche Armee, 300.000 Mann unter dem Oberbefehl von General Alexander Heinrich Rudolph von Kluck, bezieht Stellung in der Stadt und führt über einen Gouverneur eine neue Ordnung ein.

Doch nicht alle Brüsseler wollen sich so einfach der neuen Ordnung beugen. Einer von ihnen ist Bürgermeister Adolphe Max (*30/12/1869, +6/11/1939). Der liberale Brüsseler Politiker Max, seit 1903 in der Kommunalpolitik aktiv und seit 1909 Bürgermeister der belgischen Hauptstadt, weigert sich sein Amt unter deutscher „Knute“ auszuführen und wird deswegen am 26. September 1914 verhaftet und ins Gefängnis von Namür gebracht.

Fast die gesamte Kriegszeit über verbringt Adolphe Max in Haft in verschiedenen Gefängnissen im Deutschen Reich - zuerst in Köln, später in Glatz in Schlesien und danach in Goslar. Erst am 13. November 1918, zwei Tage nach dem offiziellen Kriegsende, darf er die Haftanstalt von Goslar verlassen.

Adolphe Max ist es auch zu verdanken, dass Brüssel ein Schicksal, wie das der Stadt Löwen, erspart geblieben ist. Am Tag des deutschen Einmarsches ist er mit weißer Fahne der Vorhut entgegen gegangen. Er traf die ersten deutschen Soldaten und deren Offiziere in der Nähe des Leuvensesteenweg unweit des Friedhofs von Sint-Joost-ten-Noode und gab an, seine Stadt werde keinen Widerstand leisten.

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Wie ein Held empfangen

Seine Heimkehr nach Brüssel am 17. November 1918 gleicht einem Triumphzug und er wird wie ein Held empfangen. Er bleibt Bürgermeister von Brüssel bis zu seinem Tode am 6. November 1939. Als liberaler Abgeordneter im belgischen Parlament gehört er zu den Förderern des 1919 eingeführten allgemeinen Wahlrechts und setzt sich bis zu seinemm Lebensende dafür ein, auch den Frauen in Belgien das Wahlrecht zu gewähren, was aber erst 1948 gesetzlich möglich gemacht wird. 1918 wurde ihm der Titel eines Staatsministers verliehen.

Als Bürgermeister sorgt er für die Eröffnung des Palastes der Schönen Künste (heute Bozar) und für die Weltausstellung in Brüssel im Jahr 1935 am damals bereits bestehenden Heysel-Messekomplex. In der belgischen Hauptstadt sind die zentrale Verkehrsachse Adolphe Maxlaan/Bvd. Adolphe Max (Foto), eine Kommunalbibliothek und eine Schule nach ihm benannt. Seine Haltung gegenüber den Deutschen während des Ersten Weltkriegs ließ ihn auch in Frankreich zum Helden werden. In Paris ist ein Platz nach ihm benannt und in Lyon ein Boulevard.

Übrigens: Auch zwei weitere Brüsseler Kommunalpolitiker erfahren ein ähnliches Schicksal. Max‘ stellvertretender Nachfolger Maurice Lemonnier und der Stadtverordnete Emile Jacqmain wurden am 8. Mai 1917 von den Deutschen verhaftet, weil sie sich nach wie vor vornehmlich um das Los und die Rechte ihrer Bürger sorgten. Auch nach ihnen wurden danach Plätze und Straßen benannt.