Kontrovers: Schächten ohne Betäubung

Die Tierschutzorganisation Gaia hat am Sonntagnachmittag in Brüssel eine Kundgebung gegen das Schächten ohne Betäubung organisiert. Dagegen demonstrierten 7.000 Menschen. Anlass ist das muslimische Opferfest am 4. Oktober, das dieses Jahr auf den internationalen Tierschutztag fällt. Flanderns Tierschutzminister, der flämische Nationalist Ben Weyts (N-VA), will ab 2015 das unbetäubte Schächten von Schaffen nur noch in anerkannten Schlachthöfen erlauben.

Gaia ließ wissen, dass die Muslimexekutive den 4. Oktober anhand des Mondstandes festgelegt hat und dass das Opferfest nicht provokativ auf den Tierschutztag gelegt wurde. „Wir möchten auch nicht provozieren und organisieren unsere Kundgebung gegen das unbetäubte Schächten deshalb nicht am kommenden Sonntag, sondern heute“, so Gaia-Vorsitzender Michel Vandenbosch.

Die Organisation hält es 2014 nicht mehr für akzeptabel, Tieren bei vollem Bewusstsein die Kehle durchzuschneiden. „Tiere sind lebende Wesen, die Angst und Schmerz erfahren. Deshalb ist es wichtig, ihnen so weit wie möglich Leid zu ersparen.“

Neuregelung ab 2015

Eine europäische Richtlinie von 2009 erlaubt Schächten ohne Betäubung nur in Schlachthöfen mit einer entsprechenden Genehmigung. Flanderns Tierschutzminister Ben Weyts (N-VA, Foto) möchte diese Richtlinie nächstes Jahr in Flandern generell umsetzen.

Seit 2009 umgeht Belgien die europäische Bestimmung, weil zum muslimischen Sondergenehmigungen für zeitlich befristete Schlachthöfe vergeben wurden. Das will Weyts ab 2015 unterbinden, wie er in der VRT-Polittakshow ‚De zevende dag‘ (dt.: Der siebte Tag) ankündigte.

„Dabei spielt auch eine Rolle, dass die Tierschutzorganisationen die Umsetzung der Richtlinie vor Gericht durchsetzen wollen und das kann die Organisation des Opferfestes erschweren. Ich möchte Chaos vermeiden und deshalb bis nächstes Jahr mit der Muslimgemeinschaft und den Schlachthöfen verhandeln, um überflüssiges Leiden der Tiere möglichst zu vermeiden.“

Muslimgemeinschaft beunruhigt

Mohamed Achaibi von der belgischen Muslimexekutive hatte nicht mit der von Weyts angekündigten Neuregelung des Schächtens gerechnet. „Seit Jahren haben wir gute Erfahrungen mit den Schlachthöfen auf Zeit gemacht, die zum Opferfest eingerichtet wurden. Das geschah mit vollstem Respekt der Gesetzgebung und dem Tierschutz.“

„In der Muslimgemeinschaft wird nervös darauf reagiert, was die Zukunft bringt. Wie können wird das Opferfest, das größte Fest der Muslimgemeinschaft, noch korrekt feiern?“ Sowieso haben die zugelassenen Schlachthöfe an diesem Tag keinen ausreichenden Kapazitäten, sagt Achaibi.

„In der Provinz Ostflandern werde am Opferfest 6.000 Schaffe in den befristeten Schlachthöfen geschächtet. In der Provinz gibt es nur zwei Schlachthöfe, die die offiiziell Schaffe schächten dürfen. Das reicht auf keinen Fall aus.“