Sharia4Belgium-Sympathisanten vor Gericht

46 Mitglieder von Sharia4Belgium müssen sich vor einem Gericht in Antwerpen verantworten. Die Staatsanwaltschaft will Beweise vorlegen, dass die extremistische Moslemgruppe eine Terrororganisation ist, die Kämpfer nach Syrien schickt und junge Leute rekrutiert. In und um das Antwerpener Gerichtsgebäude gilt höchste Sicherheitsstufe.

Am heutigen Montag hat die öffentliche Anklage das Wort. Sie wird versuchen, Sharia4Belgium nachzusweisen, dass sie eine terroristische Gruppierung ist. Zentral steht die Frage, ob der Anführer Fouad Belkacem zusammen mit anderen Mitgliedern von Sharia4Belgium junge Leute dazu angestiftet hat, nach Syrien in den Kampf zu ziehen. Die Staatsanwaltschaft will auch darlegen, was die anderen Verdächtigen nach ihren Informationen in Syrien gemacht haben.

Eine Schlüsselrolle in dem Prozess spielt auch der Syrienrückkehrer Jejoen Bontinck. Er steht in Antwerpen als Verdächtiger und Opfer im Gerichtssaal, denn er soll von anderen belgischen Syrienkämpfern in Syrien gefangen genommen worden sein.

Auffallend an diesem Prozess ist, dass sich der Kontext mit der Zeit enorm verändert hat: Das Gericht verfolgt Sharia4Belgium schon seit Anfang 2012. Damals war noch keine Rede von Syrienkämpfern oder Islamischer Staat.

Von den 46 Angeklagten sind übrigens nur acht beim Prozess anwesend. Die Mehrzahl ist noch in Syrien oder im Kampf gestorben. Anführer Fouad Belkacem ist einer der Anwesenden, ebenso der Syrienkämpfer Jejoen Bontinck.

Heute gibt es über 300 Belgier in Syrien und viele haben sich dem IS angeschlossen.

Die Ausbreitung des IS leiste vor allem dem Bürgerkrieg in Syrien Vorschub, sagte US-Präsident Barack Obama in einem Interview mit dem amerikanischen Sender CBS.

Er spricht von einer Terrororganisation, die die Errichtung eines eigenen Staates zum Ziel habe. "Aber", fügte er hinzu, "wir bekämpfen den IS mit einer großen internationalen Koalition aus arabischen Staaten und westlichen Ländern wie unter anderen Belgien."

"Gefängnis ist nicht genug"

"Rückkehrende Syrienkämpfer sollten in geschlossenen Auffanglagern festgesetzt werden". Das sagt der Staatsminister und ehemalige Senatsvorsitzende Armand De Decker von den französischsprachigen Liberalen MR im Privatsender RTL. 

De Decker wirft der Justiz beim Vorgehen gegen die Syrienkämpfer Versagen vor. In den Lagern sollten sie erneut mit den moralischen Werten unserer Gesellschaft konfrontiert werden, so De Decker. Wegschließen in einem Gefängnis reiche nicht aus, so De Decker noch.