Vor 70 Jahren wurde das KZ Breendonk befreit

Am Sonntag wurde zum 70. Mal der Befreiung der KZ-Sammelstelle Breendonck gedacht. Das Fort Breendonk, Teil des früheren Festungsrings um Antwerpen, war von den Nazis zwischen September 1940 und September 1944 als KZ und Auffanglager genutzt worden. Tausende wurden festgehalten oder von dort aus Deportiert und hunderte verloren in diesem Lager ihr Leben.

Das Fort Breendonk gehört heute zur Gemeinde Willebroek in der Provinz Antwerpen. Vor dem Bau der Autobahn A 12 in den 1970er Jahren war die Festung Teil der Gemeinde Breendonk, doch diese Autobahn trennt das Fort seit seiner Fertigstellung 1993 von seiner ursprünglichen Heimatgemeinde.

Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs war die Anlage, die zum Festungsring um Antwerpen gehört, noch nicht fertiggestellt, spielte also während des „Großen Krieges“ keine so große Rolle. Die Festung, die von einem Wassergraben umgeben, über sieben geopanzerte Kuppeln verfügte, war 1940 Hauptquartier der belgischen Armee unter König Leopold III.

Bis zur belgischen Kapitulation am 28. Mai 1940 war Breendonk auch Befehlsstelle von französischen und britischen Truppenkontingenten. Ab September 1940 richtete die Gestapo dort das „Auffanglager Breendonk“ ein, das im Laufe der Zeit zur zentralen Dienststelle für alle Gestapo-Aktivitäten in Belgien und Nordfrankreich wurde. Bis zur Befreiung der Region um Antwerpen im Herbst 1944 sollen dort 3.532 Personen festgehalten worden sein.

KZ, Haftanstalt, Gedenkstätte

Rund die Hälfte davon kam ums Leben. Entweder wurden diese Menschen erschossen oder aufgehängt oder aber sie kamen durch die widrigen Umstände im Lager ums Leben. Aber, es sollen auch mehr als 450 Insassen wieder freigelassen worden sein. Neben Juden und anderen Personen, die nicht ins Weltbild der Nazis passten, wurden dort auch belgische Widerstandskämpfer eingekerkert, die von Breendonk aus über die Dossin-Kaserne in Mechelen in deutsche Konzentrationslager deportiert wurden.

Nach der Befreiung Belgiens am 4. September 1944 wurde die Festung Breendonk zur Haftanstalt für belgische Nazi-Kollaborateure und andere Landsleute, die dem Widerstand während der deutschen Besetzung unangenehm aufgefallen waren. Auch unter der Leitung des örtlichen Widerstands kam es in Breendonk zu Grausamkeiten. Schon Mitte Oktober wurde die Anlage vorläufig geschlossen, um einige Zeit später zu einem offiziellen Gefängnis des belgischen Staates zu werden. Doch auch dies währte nicht lange.

Am 19. August 1947 beschloss das belgische Parlament in Brüssel die Gründung der „Nationalen Gedenkstätte Festung Breendonk“ in dieser geschichtsträchtigen Anlage. Diese Gedenkstätte widmet sich seitdem der Erinnerung an die Geschehnisse in dem früheren KZ-Sammellager, aber der baulichen Erhaltung dieser Festung mitsamt ihrer Einrichtung.

Gedenkfeier im Beisein von König Philippe

Am Sonntag fand sich Belgiens König Philippe zur Gedenkfeier anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung von Breendonk in der Gedenkstätte ein. Zu Gast waren auch die Botschafter Deutschlands, Dr. Eckart Cuntz und der USA, Denise Bauer. Pieter De Crem (CD&V - kl. Foto), der Verteidigungsminister der scheidenden belgischen Bundesregierung, rief in seiner Ansprache dazu auf, die Geschichte dieser Festung, auch angesichts dessen, was heute in den aktuellen Konflikten in dieser Welt geschieht niemals zu vergessen:

„Noch immer laufen Entwicklungen, deren Resultate wir unmöglich einschätzen können. Belgische Bürger in der Ukraine, nicht weit von zuhause, sind Opfer von kriegerischen Auseinandersetzungen geworden, als ihr Flugzeug aus der Luft geschossen wurde. Ebenso wenig können wir unsere Augen vor den Gräueltaten, die der IS verübt, schließen. Dies alles erinnert uns an die Willkür, an das Barbarische, an das unfassbare Leid, dass auch hier in Breendonk an der Tagesordnung war.“