Zu viele Firmenwagen durch zu hohe Lohnkosten?

In kaum einem anderen Land werden Dienst- oder Firmenwagen so hoch begünstigt, wie in Belgien und in kaum einem anderen Land sind so viele Autos auf Firmen zugelassen. Dass dies so ist, bemängelt auch die Wirtschaft, doch diese profitiert von hohen Vergütungen und stellt Mitarbeitern Fahrzeuge als Kompensierung zur Verfügung, weil die Lohn- und Gehaltsnebenkosten in Belgien so hoch sind.

Nach Berechnungen der OECD, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Europa), bezuschusst kein anderes Land Dienst- oder Firmenwagen so hoch, wie Belgien. Die der OECD angeschlossenen Länder bezuschussen diese Art der zugelassenen Fahrzeuge mit durchschnittlich 133 € pro Monat. In Belgien werden steuerliche Geschenke in einer monatlichen Höhe von 230 € pro Auto gewährt. Über diese Spitzensumme gehen dem belgischen Fiskus jährlich bis zu Mia. € an Steuereinnahmen „durch die Lappen“.

Jo Libeer (Foto), der Vorsitzende des Verwaltungsrats des flämischen Unternehmerverbandes Voka, bemängelt diesen Umstand selbst, doch er stellt in einem Gespräch mit der flämischen Tageszeitung De Standaard die Frage, warum denn in Belgien Firmenwagen in so hoher Zahl zugelassen werden?

Ganz einfach: Durch die hohen Lohn- oder Gehaltsnebenkosten in Belgien sind Firmenwagen als extralegale Vorteile äußerst populär und dies sowohl bei den Arbeitnehmern, als auch bei den Arbeitgebern: „Die Debatte muss also nicht um mehr Steuern auf Firmenwagen geführt werden, sondern um weniger Belastung der Einkommen.“

Libeer stellt fest, dass die durchschnittlichen Unkosten für eine Arbeitsstunde in Belgien im Vergleich zum Mittelwert unserer Nachbarländern 16 % höher liegt. Das hat nach Ansicht des Voka-Verantwortlichen vor allem mit den hohen Lasten auf Arbeit in unserem Land zu tun. Überdies habe ein Arbeitnehmer hier netto weniger als die Hälfte seines Bruttoeinkommens in der Tasche.

"Mehr Netto vom Brutto"

Voka fordert von der Politik eine strukturelle Senkung der Arbeitgeberbeiträge auf die Entlohnung des Personals von derzeit 33 % auf 22 % und eine Erhöhung des steuerfreien Teils der Einkommen, damit jeder jeden Monat netto mehr behalten könne. Auch den Lohnindex stellt Voka in Frage, zumal mit jeden Anstieg des Index auch die Besteuerung des daraus resultierenden Lohns erhöht wird.