Belgien: Genauso viele Arbeiter krank geschrieben wie arbeitssuchend

320.000 Belgier im arbeitsfähigen Alter haben im vergangenen Jahr Krankengeld bezogen. Derzeit sei die Zahl derjenigen, die ihre Arbeit aus Gesundheitsgründen oder wegen Invalidität unterbrochen hätten, genauso groß wie die der arbeitssuchenden Bevölkerung in Belgien. Beunruhigend sei, dass die Zahl derjenigen, die wegen Invalidität ausfielen, jedes Jahr kontinuierlich ansteige.

Was ihn am meisten beunruhige, fasst François Perl, der Direktor der Abteilung für Kranken- und Invaliditätsleistungen des Landesinstituts für Kranken- und Invalidenversicherung (LIKIV) auf der Internetseite des französischsprachigen öffentlich-rechtlichen Senders RTBF zusammen, sei der Automatismus der Zunahme.

Die Zahlen von 2013 sind vom Ausschuss des LIKIV jetzt bestätigt worden. "Diese Zunahme ist linear, obwohl manchmal kleine konjunkturelle Veränderungen verzeichnt werden. Nichts kann aber diese permanente Verschlechterung eindämmen. Insgesamt wird seit 10 Jahren eine Zunahme der Invalidenzahl um 5 Prozent registriert."

Laut Gesetzesvorschrift spricht man bei einem kranken Mitarbeiter von Erwerbsunfähigkeit, wenn dieser länger als ein Jahr krank geschrieben ist. Um das Ausmaß des finanziellen Schadens genau messen zu können, müsse man aber auch die Arbeitsunfähigkeit im ersten Jahr des Arbeitsausfalls (also zwischen 1 und 12 Monaten Abwesenheit wegen Krankheit) mit einrechnen. Es sei schwierig festzustellen, wie viele Arbeitnehmer 2013 genau davon betroffen gewesen seien.

Was das Landesinstitut für Kranken- und Invalidenversicherung hingegen mit Sicherheit wisse, sei, dass knapp 35 Millionen Tage im Jahr 2013 vergütet worden seien. Das entspricht grosso modo 130.000 bis 140.000 abwesenden Arbeitern während eines gesamten Jahres. Also fallen mindestens 450.000 Arbeitnehmer langfristig wegen Krankheit aus. Im Vergleich dazu gibt es in Belgien rund 460.000 Arbeitssuchende.