Nur knapp 47% der Belgier vertrauen Premier Michel

In einem Politbarometer der frankophonen Tageszeitung Le Soir und des Privatsenders RTL-TVi im Zuge der Vereidigung des Kabinetts Michel I. kommt die neue Mitte-Rechts-Regierung in Belgien bei den Wählern nicht besonders gut an. Zudem unterscheidet sich die Sichtweise regional recht deutlich. In Flandern genießt die Regierung Michel I. deutlich mehr Zustimmung als in Wallonien oder Brüssel.

Belgiens neuer Regierungschef Charles Michel von den frankophonen Liberalen MR genießt im französischsprachigen Landesteil Belgiens kaum Vertrauen. Nur knapp ein Drittel der Wähler (32 %) geben ihm ihr Vertrauen. Im Süden des Landes wird Michel und seiner liberalen Reformbewegung übel genommen, dass sie als einzige frankophone Partei Regierungsverantwortung mit den flämischen Nationalisten der N-VA übernommen haben. Aber, 58 % der Flamen geben Michel einen Vertrauensvorschuss.

Die flämischen Bundesminister und Vizepremiers kommen bei den frankophonen Wählern nicht gut weg: Bundeswirtschafts- und Arbeitsminister Kris Peeters (CD&V), Entwicklungshilfe- und Telekommunikationsminister Alexander De Croo (Open VLD) und vor allem Jan Jambon (N-VA), Belgiens neuer Innenminister, finden bei deutlich weniger als der Hälfte der Wähler in Wallonien und Brüssel Zustimmung.

Jan Jambon (Foto), dem die frankophonen Medien vorwerfen, ein Verteidiger der Kollaboration mit den Deutschen zur Nazizeit zu sein, ist in Wallonien sehr umstritten. Jan Jambon gab in einem Gespräch mit den frankophonen Tageszeitungen La Libre Belgique und La Dernière Heure am Montag zu erkennen, dass die Kollaboration, die der flämischen Volksbewegung jahrzehntelang vorgeworfen wurde, ein Fehler war. Doch hätten die Menschen damals ihre Gründe für ihr Handeln gehabt.

Nur die neue Sozial- und Gesundheitsministerin Maggie De Block (Open VLD), die bereits in der vergangenen Regierung als Staatssekretärin für Asyl und Einwanderung landesweit hohen Ansehen genoss, genießt auch in ihrem neuen Amt das Vertrauen der Wähler aus dem Süden Belgiens, nämlich 74 %.

Auch in der Frage, ob die neue Mehrheit aus N-VA, CD&V, Open VLD und MR die volle Legislaturperiode bis 2019 durchhalten werde, urteilen die Wähler in den verschiedenen Landesteilen unterschiedlich: Zwei Drittel der frankophonen Belgier (68 %) gehen davon aus, dass die Koalition vorher auseinanderfällt, während mehr als die Hälfte (55 %) der Befragten in Flandern glaubt, dass die Regierung Michel I. die vollen fünf Jahre durchhalten wird.