Datenbank für Schuldner: Big Brother Effekt?

Die Pläne der neuen Regierung, die Kreditzentrale für Privatpersonen bei Belgiens Nationalbank zu einer großen Datenbank mit allen Schuldnernamen umzuformen, in die dann auch Belgier mit Steuer-, Strom-, Telekom- oder offiziellen Mietschulden aufgenommen werden, stößt auf scharfe Kritik. "Wer garantiert, dass die Angaben stimmen?", stellt das flämische Schuldenzentrum in der Zeitung De Standaard die Frage.

Eine Plattform aus zwanzig Flamen, Wallonen und nationaler Verbände für Schuldenprävention und Armutsbekämpfung hält die Regierungspläne für unrealistisch und überflüssig.

Bislang hat die Kreditzentrale bei der belgischen Nationalbank lediglich ein partielles Bild von der Anzahl säumiger Personen wiedergegeben. Sie enthält nur Daten aller hypothekarischer und Verbraucherkredite in Belgien. Mit den Plänen der Superdatenbank für Schuldner, die im Regierungsabkommen der schwedischen Koalition stehen, soll Verkäufern, Banken und Kreditgebern die Entscheidung erleichtert  werden, ob einer Person ein weiterer Kredit gewährt werden kann oder nicht.

"Man kann doch nicht einfach so mit einem Knopfdruck automatisch über das Leben einer Person bestimmen", reagiert Mohamed El Omari vom flämischen Schuldenzentrum in De Standaard. Die Gefahr von Fehlern bei der Registrierung sei groß, so dass Menschen manchmal zu Unrecht nirgends mehr einen Kredit bekämen. Das habe man in der Vergangenheit bereits mit mehreren sektorbezogenen schwarzen Listen, wie die der Telekomschulden, gesehen. Mit der schwarzen Liste wurde der säumige Zahler manchmal unter Druck gesetzt, damit er bezahle.

Die Kreditgeber verfügten außerdem bereits über Möglichkeiten, um Nachforschungen über einen Kreditnehmer anzustellen.

Auch die Liga für Menschenrechte ist übrigens gegen so eine zentrale Superdatenbank für Schuldner. Das gehe viel zu weit und sei eine Schändung der Privatsphäre, ist die Liga überzeugt.

Die Berufsvereinigung für die Kreditvergabe, die den Vorschlag einer zentralen Schuldenzentrale machte, sei aus diesem Grund 2010 übrigens schon mit dem so genannten Big Brother-Preis ausgezeichnet worden, heißt es in De Standaard noch.

Immer mehr Belgier haben Probleme, ihre Schulden zurückzuzahlen. In diesem Jahr hat der Zahlungsrückstand aller Belgier erstmals die psychologische Grenze von 3 Milliarden Euro überschritten.